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März

Ecco, Sport, Power, Ultra

BEwEgung – mehr Mobilität mit ‚E‘.

Text: Götz Paschen
Fotos: Götz Paschen / Britta Riebesehl

„Reparieren ist nicht mehr wie früher“, meint Wolfgang Stöckmann (70), E-Radfahrer aus Visselhövede. Man müsse nicht nur die Gangschaltung, sondern auch Motorkontakte berücksichtigen. „Jetzt lasse ich es im Laden machen, bevor ich da etwas störe. Deswegen habe ich mir das E-Bike nicht bei Aldi oder Lidl gekauft. Vor-Ort-Service war mir wichtig.“ Zwei Probefahrten, dann stand die Entscheidung: Es wird ein Kalkhoff mit acht Gängen und Mittelmotor, 3.500 Euro.

E-Unterstützung
„Der Motor unterstützt immer bis 25 Stundenkilometer. Auf ‚Ecco‘ konsequent gefahren habe ich 220 Kilometer Reichweite, aber das ist ja auch keine große Unterstützung.“ Ecco: geringe Unterstützung; Sport: etwas spürbar … „ Am besten ist es bei Power und Ultra.“ Stöckmann trifft die Auswahl immer so, wie er in der Zeit liegt. „Damit ich noch in Ruhe frühstücken kann. – Bei Ultra komme ich auf 70 Kilometer Akku-Reichweite, die anderen Stufen hängen so dazwischen.“ Seine Standardstrecke ist Jeddingen – Visselhövede, täglich 5 Kilometer zum Schwimmen und zurück, plus Minijobfahrten. Im Sommer fährt er ins Freibad nach Bothel (13 Kilometer). Im Winter fährt er Minimum 80 Kilometer die Woche, im Sommer 140. „Je mehr sie treten, umso weiter reicht die Batterie.“ Ohne E-Unterstützung fahre sich ein E-Rad normal wie ein Omarad ohne Gangschaltung.

Batterie
Stöckmann guckt immer, ob die Batterie noch für den nächsten Tag reicht. Sonst nimmt er den Akku vom Rad und steckt ihn im Haus in die Ladestation. „Ich versuche, dass ich den Akku ziemlich weit leer fahre. Ich bin immer noch der Meinung, dass es besser für die Batterie ist.“ Im Winter leidet der Akku unter der Kälte. „Die Unterstützung ist kürzer. Dann hat er statt 100 Kilometern Reichweite bei ‚Power‘-Einstellung nur noch 85 Kilometer.“ Ohne Ladestation läuft nichts. Bei der geplanten Tour im Sommer mit den Geschwistern muss Stöckmann die Ladestation mitnehmen.

Zweitwagen ade
„Wir hatten früher noch einen Zweitwagen. Wir kommen heute zu zweit locker mit einem Auto aus.“ Mit E-Rad geht man auch weitere Strecken locker an. „Wenn ich im Sommer die 20 Kilometer nach Rotenburg fahre und Termine habe, fahre ich E-Fahrrad, wenn es nicht regnet. Früher wäre ich das mit dem Auto gefahren.“ Entspannung, frische Luft, Bewegung – Stöckmann findet es gesund, auch wenn er weniger tritt als früher. „Es ist nicht so anstrengend.“ Wer die gleiche Strecke ohne E fährt, tut sportlich mehr. „Aber das E-Rad ist immer noch sportlicher, als Auto zu fahren.“

Tachosprache
Die ‚Tachoanzeige‘ hat auch mehr zu sagen als nur Tempo und Strecke. Man kann sich ein Navi einspeichern, das einen per Handykontakt mit Pfeilen durch die Landschaft leitet dank ‚impulse E-bike Navigation‘. Neben den Klassikern liefert der Tacho noch den Batterie-Ladestand. „Je niedriger der Stand, desto schneller gehen die Kilometer weg. Bei 10 Restkilometern Batterie und voller Stufe sind es höchstens noch fünf Kilometer.“ Die Navifunktion geht nur kombiniert mit Handy und manchmal auch erst kurz nach dem relevanten Abzweig. Aber: „Man kann seinen eigenen Standort bestimmen, wenn man irgendwo in der Prärie ist.“ Das Gerät sagt auch, wie viel Strom es zufüttert: Bergauf bis zum Anschlag.

Steilküste
Die Steilküste von Boltenhagen nach Travemünde war der Auslöser für das E-Rad seiner Frau. Herr Stöckmann zog nach. Sie fährt gerne 15 und 18 Stundenkilometer. Stöckmann, alleine unterwegs, lieber 25 bis 28. Dann setzt er sich seinen Helm auf und fährt mit seiner flotten roten Jacke und dem E-Rad nach Vissel rein. Dort verkauft Stöckmann den Rentnern in seinem Alter Stadtwerke-Stromverträge, wie früher beruflich auch schon, aber heute überwiegend auf Platt.

Torftipp: Die Brötchen mit dem (E-)Rad holen.