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März

Integrationshelfer

Geregelter Schulalltag dank Assistenz.

Text und Fotos: Sabine Rüger

„Ich erlebe jeden Tag besondere Momente. Als ich aus den Ferien kam, hat mich Milan erstmal gedrückt und angeguckt“, sagt Diana Ringleb aus Rotenburg und strahlt dabei. Die 43-Jährige begleitet Milan seit August 2016 in der Lindenschule. Gemeinsam mit dem Kollegium strukturiert und organisiert sie seinen Tag bis zum Schulschluss. Milan hat Trisomie 21. Die beiden gehen Hand in Hand durch den Flur auf den Hof. Heute braucht er etwas mehr Bewegung.

Ziel Selbstständigkeit
Schulassistenten wie Diana Ringleb ermöglichen Kindern mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen die Teilnahme am Schulalltag in Förder- und Regelschulen. Das Ziel ist, sich selbst irgendwann überflüssig zu machen. Schulassistenten, auch Integrationshelfer genannt, begleiten je ein Kind. Das hat zum Beispiel Autismus, Trisomie 21 oder ist hyperaktiv. Ringleb ist eine von sechs Assistentinnen an der Lindenschule in Rotenburg: „Wir sorgen dafür, dass das Kind gut durch den Schulalltag kommt. Dass es sich wohl fühlt, nicht ausgegrenzt wird und ein Zugehörigkeitsgefühl hat.“

Kommunikation
Ringleb ist eigentlich gelernte Einzelhandelskauffrau. Zwei Jahre begleitete sie in ihrer alten Heimat Thüringen ein Kind mit Trisomie 21 durch den Schulalltag. Eberhard Thamm (63) ist seit 31 Jahren Förderschulrektor der Lindenschule: „Ausgebildete Sozialpädagogen oder Erzieher werden nur eingesetzt bei extremen Verhaltensauffälligkeiten.“ Die große Mehrzahl taste sich an die Aufgabe heran. „Das sind Leute, die offen dafür sind, diesem Kind den Weg in die Selbstständigkeit zu ebnen.“ Schulassistenten werden immer speziell für ein bestimmtes Kind gesucht. Das mache es leicht, ganz konkret in der Stellenbeschreibung zu werden. „Das Kind spricht nicht, es kommt aber sehr schnell auf Sie zu … Das Wichtigste ist, mit dem Kind in Kommunikation zu kommen.“ Schulassistenz ist kein festgezurrtes Berufsbild, weil keine spezielle Ausbildung gebraucht werde. Kinder mit ausdrücklichem medizinischem Hilfebedarf bekommen allerdings auch entsprechend ausgebildete Assistenz. Thamm: „Es gehört die Bereitschaft dazu, im Team zu arbeiten und Fortbildungen zu besuchen, die für dieses Kind wichtig sind.“

Alltagsarbeit
Ringleb arbeitet eng mit Lehrern, pädagogischen Mitarbeitern, Schulleiter, Krankengymnasten und Eltern zusammen. Sie setzt mit Milan die Themen des Tages um. „Wenn wir zum Beispiel gerade Marmelade machen, dann überlegen wir, wie wir ihn mit einbeziehen können. Wir holen gemeinsam Gläser. Ich kann nicht zu Milan sagen, du gehst jetzt in den anderen Klassenraum und holst die Gläser. Oder ich gehe mit Milan zur Krankengymnastik. Und wenn er am Tag mehr Bewegung braucht, dann gehe ich mit ihm raus.“ Termine werden abgesprochen, Kompetenzeinschätzungen gemacht. „Ich entschiede nichts alleine. Ich bin Bindeglied zwischen allen Personen, die mit Milan zu tun haben.“ Und wie gewinnt man das Vertrauen der Kinder? Ringleb: „Man wird von dem Kind gedrückt, egal ob man es kennt oder nicht. Wer da Berührungsängste hat und nicht angefasst werden möchte, der ist falsch. Kinder merken an der Reaktion: Passt das oder passt es nicht. Sie wissen ganz genau, was sie von uns zu halten haben. Und sie merken, ob du es gut mit ihnen meinst, oder ob das einfach nur ein Job ist.“

Torftipp: Interesse an Schulassistenz? Nähere Infos bei Eberhard Thamm, 0 42 61 – 92 05 10.