Kochen mit der Sonne

Versorgung der Flüchtlingslager mit Kochstellen.

Text: Götz Paschen
Fotos: Kyambadde Edwards, Jugendhilfe Ostafrika e. V.

Ugandas Regierung stellt Flüchtlingen ganze Landstriche zur Verfügung. 50 x 100 Meter pro Familie. Kyambadde Edwards schätzt die Bewohnerzahl des Flüchtlingslagers Palorinya in Norduganda auf 200.000 Menschen. Er organisiert dort das Solarkocherprojekt: „Ein Hauptproblem ist, dass sie keine Energie haben. Sie fällen Bäume für Häuser, das ist in Ordnung, aber beim Kochen geht es weiter. Das verbraucht mehr Bäume.“ Palorinya liegt direkt an der Grenze zum Südsudan. Das Lager in Norduganda ist ungefähr 600 Kilometer von Edwards Werkstatt entfernt, in der die Gestelle für die Solarkocher hergestellt werden. Die Flüchtlinge erhalten anfangs eine Versorgung durch Hilfswerke und gleichzeitig Werkzeuge und Saatgut für eine kleine Landwirtschaft. Gartenarbeit und Versorgung bestimmen den Tagesablauf. „Den Rest des Tages tun sie nichts. Sie haben keine Wahl. Wichtig für sie ist: ‚Keiner tötet mich.‘ Das Einkommen interessiert da nicht. - Die Häuser sind meist mit Schilf an der Wand und als Dach die Plane von der UN, aber die Häuser werden verbessert mit Lehm an den Wänden.“

Kochen
Die Energieversorgung im Lager funktioniert über Brennholz. Der Bedarf der Flüchtlinge frisst sich in die umliegende Landschaft. „Sie schlagen jeden Tag Bäume. Die großen Bäume sind geschützt und haben ein rotes Kreuz. Dass sie nicht umgehauen werden dürfen für Feuerholz. Sie schlagen die kleinen Bäume.“ Die Ugander bildeten Umweltinstitutionen gemeinsam mit Südsudanesen, die es ihren Landsleuten erklären sollten mit den geschützten Bäumen. „Dann ist das leichter zu vermitteln. Sonst gibt es Konflikte zwischen Ungandern und Flüchtlingen. So nicht.“ Laut Edwards nutzen nur 12 % der Ugander Strom, aber nicht fürs Kochen. Eine normale Familie in Uganda hat keinen Strom. „Die Ugander kochen mit selbstgemachter Kohle. Wir auch. Es ist zu teuer, mit Strom zu kochen.“ Die Alternative ist Solarenergie.

Solarkocher
Solarkocher erreichen im Topf nach 15 Minuten 100 Grad. Sie ähneln einem Parabolspiegel, der die Sonnenenergie auf einen Kochtopf im Gestell der Spiegelmitte fokussiert. „Wir sind nah am Äquator. Die Sonne ist intensiv.“ Die Flüchtlinge kochen Reis, Kartoffeln, Bohnen und Gemüse. Das Nachgaren in einer stoffisolierten Kochtasche verkürzt die Kochzeit, dass schneller die nächste Familie den Solarkocher nutzen kann. „Wir kochen drei Minuten Reis und lassen ihn danach noch 30 Minuten in der Kochtasche stehen. Dann ist er gar. Wir kochen nur Eintopf und nicht mehrere. - Die Idee war, dass drei Familien einen Kocher nutzen. Aber zu teilen ist nicht so einfach. Ich habe gesehen, dass auch zehn Familien einen Kocher teilen. Dann haben wir entschieden, dass die Gruppe zehn Kocher kriegt, weil sie gut mit vielen daran kochen können. Das hat mehr Effekt.“ Die Effizienz der Kocher liegt also neben der Technik in der sozialen und organisatorischen Kompetenz der Nutzergruppen. Zweimal 50 Kocher wurden 2018 im Lager in Palorinya aufgestellt. Eine Person erhält den Kocher und gilt als Ansprechpartner. „Ich koche und du sollst auch kochen, muss dessen Haltung sein.“

Flüchtlingsprojekt
„Es ist ein Flüchtlingsprojekt und wird gesponsert von Spendern.“ Während bei den Fahrradspenden der Jugendhilfe Ostafrika die Ugander einen Eigenanteil zahlen, gehen die Solarkocher als hundertprozentige Spende an die Flüchtlinge. Einige kochen noch gelegentlich mit Holz. „An einem bewölkten Tag funktioniert der Solarkocher nicht, aber sie nutzen wesentlich weniger Holz.“ Zeiten für den Holztransport entfallen. Die Organisation rund um die Kocher klären die Flüchtlinge mit angelernten eigenen Obleuten selber. Diebstahl spielt keine Rolle. Die Geräte sind dafür zu groß und speziell. „Du könntest den Kocher als Altmetall verkaufen. Aber wer kauft es? Es gibt keine Altmetallhändler in den Flüchtlingslagern.“ Ein Vorteil von fehlender Struktur.

Die Übergabe
Seit 1962 ist Uganda unabhängig von England. Neben Swahili ist Englisch die Amtssprache im Land. Auf den T-Shirts, die zur Motivation den neuen Kocherbesitzern übergeben werden, steht: ‚Save the environment and time. Use a solar cooker.‘ ‚Schütze die Umwelt und spare Zeit. Nutze einen Solarkocher.‘ Die Flüchtlinge erhalten den Kocher und eine Einführung. „Die freuen sich, ihn zu haben. Du siehst es nicht auf den Gesichtern, aber du spürst, dass sie merken, es hilft.“ Die örtlichen Flüchtlingskomitees kümmern sich nach der Übergabe um die Kocher.

Probleme
„Es geht gut, sie können sie gebrauchen. Aber es gibt Herausforderungen: Am Rahmen sind die Solarbleche mit bunten Kabeln festgemacht. Die Kinder finden die Kabelfarben spannend und nehmen die Kabel raus. Dann funktioniert der Kocher nicht mehr.“ Grün, gelb und blau sind attraktive Farben für die Kinder. Edwards zeigt mir Fotos, auf denen die Solarflächen ohne Draht schlapp herunter hängen. Ein weiteres Problem ist, dass der Topf außen schwarz sein muss. Der Kocher funktioniert nicht, wenn ein silberner Topf die Solarwärme nicht absorbiert sondern widerspiegelt. „Wenn die Frauen einen silbernen Topf auf dem Feuer hatten, dürfen sie ihn nachher nur innen putzen und nicht außen. Sie wollen ihn aber kristallklar, auch außen. Und dann funktioniert der Solarkocher nicht, wenn der Topf von außen nicht schwarz ist.“ Die Probleme sind ähnlich originell wie die von den Afrikanern, die beringte europäische Zugvögel mit Pfeil und Bogen abschossen, weil sie die Ringe als Schmuck schön fanden. Oder auch die Probleme mit wassersparenden Trockentoilettenanlagen auf einem afrikanischen Unicampus, die nicht funktionierten, weil die Studenten immer wieder ihre Veranstaltungsplakate auf die bodennahen Solarflächen klebten.

Torftipp: 1) Spenden! 150 Euro für einen Solarkocher oder ein Teilbetrag. Im Verwendungszweck: Solarkocher und Ihre Adresse für die Spendenquittung: Jugendhilfe Ostafrika e. V., IBAN: DE28 6009 0800 0103 2370 12, BIC: GENODEF1S02, Sparda-Bank Baden-Württemberg; 2) www.jugendhilfe-ostafrika.de