20 Jahre Torfkurier, der Film






Oyter See

‚Ausgezeichnete Badegewässerqualität‘ laut Landkreis.

Text / Fotos: Götz Paschen

„Im vorderen Teil eine verstärkte Nutzung, im hinteren Teil Ruhe, der Rundweg und die Angler. Das ist ein guter Anfang, und es ist ein Kompromiss.“ Hubert Dapper (70) aus Oyten ist Ratsmitglied für die Grünen und im Arbeitskreis Oyter See. Der wurde inzwischen umgetauft in Arbeitskreis Naherholung. „Der See dient der Naherholung: vorne sportlich angehaucht und hinten naturbelassen. Deswegen werden die Wege auch nicht geteert oder gepflastert, sondern bleiben so.“ So hat man jetzt im vorderen Teil den Familienstrand mit Spielplatz und Volleyballfeld. Im mittleren die Station der DRK-Wasserwacht und die Spaßzone mit Wasserskianlage und aufblasbarem Wasserspielplatz. Und im hinteren die Angler und die Natur. Was sagen NABU und BUND? „Die waren beteiligt und sind nicht gegen dieses Nutzungskonzept.“ Ganz anders sieht es da beim Naturschutzgebiet ‚Ellisee‘ in zwei Kilometern Entfernung aus, der auch als FFH-Gebiet ‚Sandtrockenrasen Achim (Ellisse)‘ geführt wird. An diesem See hat die Natur Vorrang. Hier ist jegliche Nutzung untersagt. Beim Oyter See stellt Dapper die Frage: „Ist das eine ökologische Fläche oder ein Autobahnsee? Das ist nicht zu klären, und jeder sieht es anders. Die Ökologie des Sees ist nie untersucht worden.“ Dem Bläuling, einem Schmetterling, und den jungen Minifröschen am Ufer ist das gleichgültig.

Eigentümer
„Der Arbeitskreis hat versucht, die Eigentumsverhältnisse zu klären.“ Das Seegelände hat mehrere Teileigentümer: Der hintere Teil hinter der Wachstation gehört dem Landkreis Verden. Kleine Stücke gehören verschiedenen Landwirten aus der Gegend und der Gemeinde. Der vordere Teil gehört der Firma Knaus, dem Verpächter des Campingplatzes.“ Es gibt also nicht einen Ansprechpartner, wenn Fragen zu klären sind wie die Pflege der Wege et cetera. Der Landkreis notiert in einer Stellungnahme zum Rundweg: Es handele sich vom Status um einen Wald- / Feldweg und nicht um eine öffentliche Erholungseinrichtung. Entsprechend bestehe für den Landkreis keine Unterhaltungs- und Verkehrssicherungspflicht. Das macht inzwischen aus Eigeninteresse die Gemeinde Oyten. „Auch wenn sie keine Eigentümerin ist, hat die Gemeinde einen fahrradfähigen Rundweg hergestellt.“

Zuständigkeiten
2012 meldete sich ein Investor, der über große Teile des Sees eine große Wasserskianlage bauen wollte. „Da gab es einen Riesenkrach.“ Die Grünen haben dann zeitnah eine Bürgerbefragung durchgeführt, mit dem Ergebnis: „Die Mehrheit wollte keine große Wasserskianlage.“ Die Anwohner wollten keinen Lärm und ihre Straßen nicht zugeparkt haben. Also: „Keine Veränderung. Keine Planung. Nichts machen.“ Aber andererseits gab es Beschwerden: „Der Weg und die Bänke waren nicht in Ordnung. Da lagen umgefallene Bäume. Das Thema Müll kommt ja immer. – Die wollten zwar, dass nichts getan wird, aber es sei auch nicht ordentlich.“ Der Rundweg, der übrigens einen Spaziergang wert ist, sei verwachsen. „Wir brauchten trotzdem ein Konzept, um zu sehen, wo es hingeht: Was machen wir jetzt? Wie wollen wir den Anforderungen zwischen ‚nicht‘ und ‚doch‘ begegnen?“ Es folgte ein Treffen der Gemeindeverwaltung, der Firma Knaus und des Arbeitskreises. Im Eigeninteresse übernahm Knaus die Pflege im vorderen Teil auf ihrem Grundstück. Der Angelverein Achim kümmerte sich um die Instandsetzung der Bänke. „Das waren die einzigen, mit denen man gut reden konnte.“ Sagen und machen, ohne lange zu zögern. Knaus übernahm die Sanierung des Spielplatzes vorne am See, das Aufstellen und Leeren von Abfallbehältern und die Erweiterung des Strandes mit Schilf wegbaggern nach dem Riesenandrang 2019. Die Kostenfrage und die Zuständigkeit für den Rundweg um den See: freischneiden … „Das macht die Gemeinde Oyten jetzt, aber eigentlich ohne Zuständigkeit. Sie hat das freiwillig übernommen, weil alles andere zu kompliziert gewesen wäre.“ Die Brückenreparatur im hinteren Teil haben sich Gemeinde und Landkreis geteilt.

Wasserski & Co.
Nachdem die Anwohner gegen die große Wasserskianlage gestimmt hatten, kam 2019 probeweise eine mobile kleine Wasserskianlage. Einmal quer über den See und zurück, wie ein Skilift am Seil, nur ohne Schnee. Laut Dapper sehr spontan, zum Erstaunen der Ratsmitglieder, des Arbeitskreises und der Anwohner. Aber die Genehmigungshoheit dafür lag beim Landkreis. „Während wir noch überlegen, was wir machen und dürfen, war der Betreiber schon bei Knaus und dem Landkreis, hat die Genehmigung und stellt die Anlage auf. Die stand da ganz schnell da.“ Und dann kam die Bevölkerung und erinnerte an die Abstimmung zu der großen stationären Anlage 2012. „Wie sollten wir denen erklären, dass die Gemeindeverwaltung da nichts zu sagen hat? Knaus hat es erlaubt, und die untere Naturschutzbehörde des Landkreises hat zugestimmt.“ Von Arbeitskreisseite gab es gegen so eine kleine mobile Wasserskianlage auch ökologisch keine Bedenken, so Dapper. „Sie wird angenommen, besser als gedacht.“ Mit Wasserhüpfburg, Sandstrand, Liegestühlen und Jungvolk im Wasserskicontainer wirkt das alles ganz annehmbar. Die Frösche müssen sich allerdings einen anderen Abschnitt am See aussuchen, der immerhin einen Kilometer lang ist.

Traumschlösser?
Es gab eine ‚Zukunftswerkstatt Oyter See‘ des Arbeitskreises am 16.11.2019 im Bürgerzentrum des Rathauses unter Beteiligung von 75 Oyter Bürgern. Sie wurde durch das Stadtplanungsbüro ‚proloco‘ aus Bremen vorbereitet und moderiert und diente der Ideensammlung und Fragestellung: „Wo soll es hingehen mit dem See? Der Arbeitskreis wollte eine Rückmeldungen aus der Bevölkerung.“ Die Frage war besser nutzen, ja oder nein? Und wenn ja, wie? „Die meisten möchten Veränderungen und etwas mehr Betrieb am Oyter See.“ Während der Ellisee ausschließlich der Natur vorbehalten bleibt, soll der Oyter See auch für Spiel, Sport und Freizeit zur Verfügung stehen. Dapper erinnert sich an eine bunte Ideenliste der ‚Arbeitsgruppe Spiel, Sport, Freizeit‘ bei dem Termin: Opti-Segeln, eine Boulebahn, ein Trimm-dich-Pfad, Großschach, eine Hundeschule mit eingezäuntem Gelände, Beachvolleyball, Rudern, ein Adventure-Golf-Platz, eine Seebühne mit Konzert- und Musikveranstaltungen oder Seekino. Eine ‚Silent-Disco‘ – „das fand ich ganz besonders spannend mit Musik über Kopfhörer“, Nutzung durch Schulen und Sportvereine. Und im Bereich Kulinarik eine Strandbar, ein Bistro oder ein Café mit Seeterrasse und idyllischem Autobahnrauschen, verbesserter Lärmschutz zur Autobahn „aber die Kosten!“, oder gleich Gastronomie mit Hotel am See. Eine Seilbahn, die über den See gehen sollte, Verbesserung der hygienischen Zustände durch Duschen und Sanitäranlagen, die Strandvergrößerung im nord-östlichen Teil am Spielplatz. Die Arbeitsgruppe ‚Natur erleben‘ will ‚Erholung‘ und keinen ‚Rummelplatz‘. Sie fordert ‚ruhigere Bereiche (ca. 4/5 der Fläche) und Bereiche für Spiel und Sport (ca. 1/5) räumlich voneinander getrennt‘. Die meisten Teilnehmer sprechen sich für ein gemischtes Zukunftsbild aus. Freizeit und Natur erleben am Oyter See.

Realitäten
2020: Der Sand ist aufgefahren, der Spielplatz ist renoviert, die mobile Wasserskianlage steht. „Das ist der Kompromiss.“ Dapper wünscht sich, dass die Parkgebühren von Knaus gering bleiben, findet sie aber in Ordnung. „Ein Freibad kostet auch Eintritt. Zwei Euro für eine Familie mit Auto für einen Nachtmittag, das geht. Und es ist immer alles sauber.“ Wer mit dem Fahrrad kommt, parkt kostenlos. Für Toiletten und Duschen müsse Knaus einen Bauantrag stellen. Mit den häufigen Pächterwechseln bei Bistro und Camping hat die Gemeinde nichts zu tun. Das ist Sache von Knaus. Nach der Brutzeit wird im Winter noch ein Stück Schilf weggebaggert und der Strand an der Spitze auf der linken Seite noch etwas vergrößert. Der Arbeitskreis Naherholung ist inzwischen an anderen Themen. „Der See ist jetzt erstmal auf dem Weg.“

Torftipp: Hingehen, spazieren, schwimmen, wohlfühlen.




Info
Oyter See
Länge: 1.000 Meter
Breite: 130 – 400 Meter
Tiefe: maximal 14 Meter
Fläche: 23 Hektar
Art: Baggersee seit dem Autobahnbau 1930
Badeaufsicht: DRK-Wasserwacht
Wasserqualität: ‚ausgezeichnet‘ (lt. Landkreis VER)