20 Jahre Torfkurier, der Film






Berichte

Weihnachtsmärchen, Theater-AG, Sat 1
Wer dranbleibt, kommt weiter.

Von Götz Paschen
Fotos: Götz Paschen und Sat 1

Annelie Henze (18) aus Fischerhude ist es gelungen: Sie hat 2015 in zwei Serienbeiträgen mitgespielt. Wie schafft man das? Annelie startete in der Grundschule Fischerhude mit Schultheater, einem Weihnachtsmärchen. Es gab eine Vorführung zusammen mit den Bremer Philharmonikern. Annelie hatte die Hauptrolle als Königin. Das ist jetzt zehn Jahre her. Am Gymnasium Ottersberg spielte sie in der Theater-AG von der sechsten bis zur achten Klasse. Klassiker: Komödie, Tragödie … „Dann habe ich Janina Iling – heute meine Schauspiellehrerin – gefragt, ob sie mir Schauspielunterricht geben würde. Die hat auch vorgeschlagen ‚Bewirb dich doch mal‘. Ich habe mir im Internet Castings rausgesucht und mich bei mehreren beworben.“ Annelie hat ihre Vita (Lebenslauf) hingeschickt mit Spielerfahrung, Hobbys, Fotos … „Ab 16 kannst du dich bewerben. Eine Casting-Agentur in Hamburg hat mich eingeladen.“ Das Casting dauerte zehn Minuten, in denen Annelie ihren Text auswendig präsentiert hat. „Zwei Wochen später kam das Angebot, bei einer Folge von ‚Mein dunkles Geheimnis‘ dabei zu sein.“

Die Serie
‚Mein dunkles Geheimnis‘ ist ein Realityformat mit Staffeln auf Sat 1. Es sind ausgedachte Geschichten über Fremdgehen, Streitereien, Einbrüche, Lügen … Die Staffeln laufen täglich ab 17 Uhr. Pro Folge eine halbe Stunde. Zwei Folgen an einem Nachmittag. Jede eine eigenständige Geschichte. Zielgruppe sind laut Annelie Jugendliche: „Ich gucke das auch und Freunde auch.“ Die junge Darstellerin hat jeweils eine Hauptrolle als Tochter. Einmal ging es um eine schwierige Filmschwester. Das andere Mal um einen Freund, der dem Vater nicht passte. Und immer mit Happy End – Soap eben, Seifenoper. „Die zweite Rolle fand ich besser. Die war eher wie im wirklichen Leben.“

Der Reiz
„Es ist interessant, weil ich in eine andere Person schlüpfe und die darstelle. Du musst deren Gefühle haben und denken, wie die Person denken würde.“ Meistens lernt Annelie mit Janina Iling die Texte zusammen. „Ich lese vorher den Text durch und wir spielen es dann ohne Text miteinander.“ – Die Drehs sind jeweils Einzelaufträge. Die Fischerhuderin ist auch bei der UFA (Universum Film AG) in Potsdam in der Datei. „Die casten für ‚Gute Zeiten, schlechte Zeiten‘ und ‚Verbotene Liebe‘, ‚Alles, was zählt‘ – es kann sein, dass ich da mal reinrutsche. Die haben mich schon angefragt, aber ich bin ja jetzt mitten in der Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Deswegen musste ich absagen.“

Der Dreh
Sat 1 dreht in Hamburg und Umgebung. Dort sitzt die Agentur. Stets am Wochenende, weil alle Mitwirkenden unter der Woche etwas anderes machen. Die Texte und Eckdaten kommen vorher per E-Mail. Start ist um 8 oder 14 Uhr, je nachdem in welcher Szene man mitspielt. Die Szene wird öfter abgedreht, um mehrere Schnitte zu haben. Nicht in der gesendeten Reihenfolge, sondern wie es passt. Der zweite Drehtag ist oft an einem anderen Standort, aber zur selben Folge. „Wir drehen in Privatwohnungen. Wenn ich nicht dran bin, gehe ich meinen Text durch, der als nächstes kommt. Für die halbe Stunde haben wir zwei bis drei Tage jeweils mehrere Stunden gedreht. Manchmal bis abends um zehn. – Mehrere Outfits bringst du selber mit. Schminken kannst du dich auch selber, aber dezent. Die Frisur ist ein Zopf, weil sie dein Gesicht filmen wollen. Die Stylistin guckt, ob das alles so geht.“ Mit den älteren Kollegen um die 40 ist Annelie gut klargekommen. Die sind locker und aufgeschlossen. Und Promis? „Durch das Drehen habe ich Leute von ‚Gute Zeiten, schlechte Zeiten‘ kennengelernt und Schauspieler aus anderen Serien.“ Und in den Pausen schnackt Annelie mit anderen, die auch warten müssen. Was sie sonst so macht: Schule, Hobbys oder schauspielerisch. „Für manche ist es neu. Andere waren schon öfter dabei.“ Annelie meint, die Tage seien lukrativ. Abgerechnet wird für zwei Drehtage pauschal, oder drei Tage – je nachdem wie lange der Dreh dauert.

Der Film
Sie hat Oma, Opa, Nachbarn und Bekannten gesagt: „Ja, nächste Woche bin ich im Fernsehen.“ Und Annelie hat es bei Instagram und Facebook reingestellt. „Wenn die Sendung lief, melden sich meine Freunde, schreiben oder rufen gleich an, wenn Sie mich gesehen haben. Es ist schon cool, selber im Fernsehen zu sein. Und irgendwie komisch, sich zu sehen und zu hören.“ Ihre Eltern stehen voll dahinter, unterstützen ihr Engagement und finden es gut. Schwester Lisa (15) auch. „Eigentlich ist das von jedem ein Kindheitstraum, im Fernsehen mitzuspielen. Aber als Schauspieler davon zu leben, ist nicht immer so einfach. Es ist schon gut, wenn man noch einen zweiten Job hat. Mein größter Wunsch ist, irgendwann in einem Kinofilm mitzuspielen.“

Torftipp: 1.) Um Annelies Weg weiter zu verfolgen, schaut bei ihrem Instagram Profil rein: annelie_eelisa. 2.) An Castings teilnehmen. „Wenn du für eine Casting-Agentur Geld bezahlen musst, ist das nicht so spektakulär. Das würde ich nicht machen.“ 3.) https://www.ufa-talentbase.de/castings/