20 Jahre Torfkurier, der Film






www.fucking-scheiss-preisvergleich.com

Eine Lobeshymne auf den stationären Handel.

Von Götz Paschen

Fotos: Helene Souza / pixelio.de; Rainer Sturm / pixelio.de

Ich finde Billig-Online-Handel blöd. Billigmentalität entsteht in Billiggehirnen. Wer beim Einkaufen Niveau vermeidet, wird auch sonst Probleme haben, es zu entwickeln.

Recherche
Preisrecherche ist vernünftig und nicht neu. Die Frage ist das ‚Wie‘. Wenn ich eine Designer-Garderobe auf keiner dieser Hackfressenseiten finde, bin ich schon fast beruhigt. Dann geht keiner gucken, fotografiert fix Namen und Artikelnummer und sucht im Internet billig. Es gibt offensichtlich Hersteller, denen ist ihre Ware so viel wert, dass sie sie nirgendwo verramscht sehen wollen. Da ist nicht nur das Design smart. Da ist auch der Handel smart. Und jetzt alle Sparfüchse: „Da ist sicher auch der Preis smart!“ Ja und? Wenn ich mir vor zehn Jahren zum letzten Mal ein Möbel gekauft habe, dann ist auf meinem imaginären Möbelkonto so viel Kohle, dafür können die das Ding sogar noch vergolden lassen. Wer dauernd billig kauft und den wackeligen schäbigen Kram permanent ersetzen will oder muss, hat auch kein Geld. Mein Opa sagte immer: „Für billige Sachen sind wir einfach zu arm.“

Standard-Vorteile
Wir reden noch nicht über Beratungsvorteil und die Fairness Beratung = Kaufort. Wir reden auch nicht über päckchenverstopfte Autobahnen, Kurier-Doof-Jobs und CO2-Folgen. Wir reden nicht über Datenspuren, Algorithmen und George-Orwell-Überwachung. Nicht über Ressourcenverschwendung und Müllberge bei Billigprodukten. Geschweige denn über Billiglöhne, Ausbeutung und Umweltsauerei in den Herstellerländern. Auch nicht über Arbeitnehmerschutz und Sozialstandards Made in Germany. Ich will auch keinem erklären, dass niemand der Amazon-Packerin dezent ins Dekolleté oder dem Packer auf den Knackarsch gucken kann. Das geht nur im Geschäft. Abgesehen von der menschlichen Wärme beim netten Einkauf. Einem Ort, an dem man sich ebenso gesehen und beantwortet fühlen kann, wie bei anderen Begegnungen. Zehn Minuten in unserem Dorfladen bringen seelisch mehr als eine ganze Therapiesitzung.

Die Preisfrage
Ich habe auch keine Lust über Geldmangel zu reden. Jeder Hartz IV-Haushalt könnte sich echt was leisten, wenn alle Familienmitglieder auf Whatsapp verzichten und mit alten Handys zufrieden wären. Das neue iPhone ist schon heute der Elektroschrott von morgen. Nicht umsonst grillt einem das Ding den Schädel eineinhalb Mal so stark wie der Vorgänger. Wertschätzung führt zu Wohlstand – unabdingbar. Wer ein Ikea-Billyregal (eine echte Design-Ruine – wir haben auch zwei vom Sperrmüll im Büro) zu schätzen weiß. Wer es schön dekoriert und lange behält, bewegt sich schon im Bereich der halben Wertschätzung. Die zweite Hälfte – die vom Hersteller – fehlt trotzdem. Teure Schuhe kosten in Summe der Gesamtlebensdauer mehr an Reparaturen als im Einkauf. Die sind pro Tragetag umgerechnet günstiger als jeder Billigschuh. Verhängen Sie alle 14 Tage möglichst einen Einkaufsstopp und essen erst einmal den Kühlschrank soweit runter, dass Sie keine Lebensmittel wegschmeißen müssen. Dafür haben sich fleißige Menschen einmal gebückt. Da hat der liebe Gott seine Sonne draufscheinen lassen. Das ist nicht für die Tonne. Auch wenn Sie 1945 nicht gehungert haben. Müll zu vermeiden, ist gut. Und Bodensatz im Kühlschrank nicht Feng Shui.

Mein Credo
Kaufen Sie bei echten Menschen. Kaufen Sie vor Ort. Kaufen Sie Produkte von Firmen, bei denen Sie auch arbeiten würden. Kaufen Sie nichts (vor-)eilig. Kaufen Sie wenig, aber teuer. Warten Sie, bis Sie etwas, was sie suchen, entdecken. Freuen Sie sich drauf. Kaufen Sie nur richtig schöne Sachen. Pflegen Sie die. Lassen Sie sie reparieren. Genießen Sie, was Sie kaufen.