20 Jahre Torfkurier, der Film






Ziel-Diffusion oder -Konzentration

Wer zu viele Ziele hat, muss einige streichen.

Von Götz Paschen

Fotos: Paulwip/pixelio.de und Klaus Steves/pixelio.de

Bewundern Sie Leute, die gut klar kommen? Und Sie selber ackern den lieben langen Tag und kriegen nur wenig fertig. Das liegt vielleicht daran, dass Sie zu viele Dinge gleichzeitig auf dem Zettel haben.

Bei der Arbeit
Sie haben immer Ihren Schreibtisch leer und alle erforderlichen Arbeiten erledigt. Richtig! Alles eine Frage der Konzentration. Wer sich neben der Arbeit für das Altpapier, die Zimmerpflanzen, die Telefonzentrale und die Dinge verantwortlich fühlt, die liegen bleiben, wird nie fertig. Das gleiche gilt auf der Baustelle: Meter machen! Nicht aufräumen, Material anfordern, an den Schnittstellen zu anderen Gewerken Klärungen herbeiführen. Alles was für einen flüssigen Ablauf notwendig ist, hemmt die Meterleistung. Die aber wird bewertet und gesehen. Wer neben seinem Auftrag noch das ‚Mädchen für alles‘ mimt, wird nie fertig und schafft auch sichtbar nichts weg. Schön, wenn alles flüssig läuft, aber das gehört klar zugeordnet. Wer das nebenbei übernimmt, sieht nicht gut aus.

Im Haushalt
Nehmen wir mal die klassische Rollenverteilung. Einer macht Karriere, einer den Haushalt. Haushalt heißt, dass alles immer gleich (gut) aussieht: Alle satt, alles sauber, alles gewaschen, Hausaufgaben fertig, alle getröstet und fröhlich, abgeholt und hingebracht, Garten fertig, Kühlschrank voll … - so das Übliche. Der Berufstätige zieht durch. Der Daheimgebliebene hält ihm den Rücken frei. Der Ruhm gilt der Teamleistung. Wenn nicht alle zünftig mithelfen, wird es erst ab 35 bis 40 langsam ruhiger. Dann dreht sich das um. Der Daheimgebliebene, der gut managt, die Kinder vernünftig einspannt und nicht alles selber putzt, kann jetzt Großmeister im Yoga werden oder Walking-Profi. Freizeit bis Ultimo. Oder er geht arbeiten, wenn das Geld oder die Lust rufen.

Im Verein
Einer holt die Medaillen. Der andere steht als Zeitnehmer am Rand, füllt Meldelisten aus und bringt die Kleinen an den Start. Verwaltet die Notensätze, räumt die Stühle weg, macht die Elternarbeit, trocknet Tränen. Wer macht den Fahrdienst und wer steht in der Zeitung? Wer macht die Kasse, schleppt die Getränke und wer steht am Rednerpult? Wer übernimmt die Verantwortung und wer trägt sie nachher wirklich?

Verteilung
Wenn sich das gut verteilt, hat ein Mensch verschiedene Rollen. Hier ist er für alles da, da zieht er zielstrebig durch. Wer gut vorwärtskommen will, kümmert sich immer nur um seins. In der Gewissheit, den restlichen Mist wird schon irgendjemand erledigen. Dickes Fell beweisen und nicht zugreifen, wenn andere Arbeit ruft. Erholung und sitzen bleiben, wenn andere springen. Wenn die Mischung stimmt, völlig richtig. Wenn sie nicht stimmt, mal das Gegenteil ausprobieren.

Ein-Ziel-Orientierung
Scheuklappen aufsetzen. Den Rest ignorieren und nur das eine Thema durchziehen und fertig machen. Egal, was gleichzeitig passiert. Randerscheinungen nicht beachten oder kurz notieren, aber beim Thema bleiben. Konzentration. Wichtig ist, dass Sie dieses eine Ziel vor Augen haben und an nichts anderes denken. In übersteigerter Form ist ‚Ein-Ziel-Orientierung‘ dem Egoismus verwandt. In gesundem Maß ist sie die Grundlage für Erfolg. Die Mischung macht’s: Im Alltag eine Hälfte stur durchziehen und sich in der zweiten Hälfte dem allgemeinen Gewühle widmen und den Kurznotizen aus der ersten Tageshälfte.

Klärung
Und dann heißt es, Sachen über Bord zu werfen. Ziele toleranter definieren: Sauberkeit, Ordnung, Luxus … Vernachlässigtes ernster nehmen. Unsinnigen Kram liegen lassen. Gucken, was sein muss, was aber keiner macht. Und diese Aufgaben fair verteilen. Wo stehe ich selber? Habe ich meine Finger überall drin? Oder fahre ich zu eingleisig?

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