20 Jahre Torfkurier, der Film






Wenn Kinderschänder sterben …

… fehlt der Welt nichts.

Von Götz Paschen

Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

Weg ist er. Gut so. Wenn Kinderschänder sterben, atmet die Welt auf. Das ‚Schade drum‘ kommt einem nicht über die Lippen. Selbst im Knast stehen sie in der Hierarchie ganz unten. Und in der freien Wildbahn, oder besser Freiwildbahn? Da werden sie meist nicht belangt, weil sie oft aus der Mitte der Familie kommen. Unklare Vorwürfe. Verquaste Übereinkünfte. - „Ich will nicht immer knutschen.“ Auf dem Etagenflur. Die Fünfjährige beim Onkel in der Wohnung. Und wenn sie es eine Etage tiefer der Oma mitteilen, wiegelt die ab. 30 Jahre später würde man direkt zur Polizei gehen und Anzeige erstatten.

Abhaken
Wenn Kinderschänder sterben, sucht man nach Leichenkleidern für den Bestatter. Und im Kleiderschrank findet man Requisiten ihrer fragwürdigen Leidenschaft. Minderwertigkeitsbeweise. Das alles überantwortet man am besten einem reinigenden Feuer. Nicht als Grabzugabe im Krematorium. Schlicht und einfach einem Feuer bei Tageslicht unter freiem Himmel. Damit Sie in Frieden kommen mit diesem Menschen.

Erleichterung
Weg sind sie, die Lebensbremsen ihrer Kinder. Ob bei den erwachsenen Kindern die Lebensbremsen auch weg sind? Vielleicht stellt sich Erleichterung ein. Eine ambivalente Begegnung weniger. Nähe suchen und geben wollen. Gleichzeitig auf Distanz achten und sich vor Übergriffen schützen. Und die Mütter sind Teil des Systems. Sitzen mit im Boot. Haben ihre Wachsamkeit gebremst und ihren Schutzauftrag ebenfalls verletzt. Wenn Kinderschänder sterben, kehrt Ruhe ein. Die Erwartung einer Klärung oder Entschuldigung ist unwiederbringlich erledigt. Da kommt nichts mehr. Sie ruhen jetzt, von mir aus auch in Frieden. Es kann einem egal sein.

Vor der Zeit
Wenn Kinderschänder sterben, sterben sie durchaus auch ‚vor der Zeit‘. Zu früh, angeblich. Aber das ist es nicht. Vielleicht halten sie unbewusst die Last nicht aus, die sie auf sich geladen haben. Sterben als feige Flucht, um einer Verantwortung zu entkommen, der man zu Lebzeiten nicht entkommen konnte. Und nicht durch Freitod und eigene Hand. Die Information erhält der Körper aus seinem Inneren. Dass er sich aus dem Staub machen sollte, wenn es unerträglich wird. Sie haben ja nicht nur Leben geschenkt, sondern es auch gleichzeitig genommen. Zumindest Lebendigkeit. Den eigenen Kindern etwas zuleide zu tun. Lebenschancen zerstören durch feigen Zugriff gegenüber einem Schutzbefohlenen.

Alternativen?
Pornografie, Clubs und bezahlbare Dienstleistungen? Sind ähnlich hochproblematisch. Gibt es eine graduell weniger schlechte Lösung? - Seine erotischen Bedürfnisse im Kinderzimmer zu befriedigen, das ist auf jeden Fall jenseits vom Abgrund dessen, was geht. Wenn Kinderschänder sterben, begräbt der Tod hilflose belastete Kreaturen und macht die Erde freier. Das Feuer oder die Würmer werden es schon richten. Und sie wären mir keine Sekunde am Telefon ein Gespräch wert. Nicht mit Frauen, die in Trauer sind, und alles gewusst haben. Falsch verbunden. Abtreten und gut ist.

Grabrede
Und selbst am Grab noch Heuchelei. Nicht: „Hier liegt eine arme Sau, die zu Lebzeiten ihre gierigen Bedürfnisse an ihren Kindern befriedigt hat. Die ihnen dadurch einen Teil der Lebensfreude genommen hat. Die nie den Schneid hatte, der Mutter zu beichten, welche schrägen oder geilen Bedürfnisse sie umtrieben. Die nie die Stirn hatte, zu sagen: ‚Liebe Frau, wenn du mich nicht willst, gehe ich zur Nachbarin.‘ Hier liegt ein armes Schwein, das nicht in der Lage war, sich mit Bildern, Phantasien und Selbstbefriedigung zu begnügen. Instinktloser Abschaum, der mit Gedanken und sich selbst zu einsam war und sich lieber etwas kleines Warmes gesucht hat. Herr, heile die Wunden derer, die sie berührt hat. Amen.“ Und schickt die Mutter und Verwandten weg vom Grab, die das alles gedeckt haben. Wohl wissend, was geschieht. Wie viele werden dann noch dort stehen? Und Wut und Trauer dürfen Hand in Hand gehen. Stehen sie doch auch im Leben eng beieinander.

Torftipp: Besonnen einschreiten.