20 Jahre Torfkurier, der Film






Volumenausgleich

Gibt es von allem immer gleichviel auf der Welt?

Von Götz Paschen

Foto: Pixabay.de

Was ist passiert, als unter Hitler die Nazis einen Großteil der Intelligenz umgebracht oder aus dem Land vertrieben haben? War das deutsche Volk dann im Intelligenzvolumen dümmer? War Amerika durch die Zuwanderung an Intelligenz schlauer? Und heute, 80 Jahre später? Wieso habe ich den subjektiven Eindruck, dass wir ein gesundes Volumen an Intelligenz im Land haben? Wie sonst hätte der Osten die Wende schaffen sollen? Wie sonst wären wir erfolgreiche Flüchtlingsausnahme, obwohl medial bejammert? Passt sich das Intelligenzvolumen an? Wenn also im Nachkriegsdeutschland ein Intelligenzvakuum herrschte, aktivierte das andere, ihre Intelligenz stärker auszuschöpfen? Und entsprechend Amerika: Nachdem ein relevanter Teil deutscher Intelligenz nach Amerika geflohen war, hat daraufhin ein Teil der amerikanischen Intelligenz beschlossen, leicht zu verblöden, um Ausgleich zu schaffen?

Übertragung
Ist das wie mit der Verantwortung in sozialen Systemen? Wenn einer sie abgibt, nimmt ein anderer sie auf? Füllt sich jedes Vakuum systematisch von alleine? Lässt in jedem Überangebot ein Teil der Anbieter nach? Ist es Teil natürlichen Energieausgleichs, dass von allem auf der Welt immer gleichviel da ist? Und welchen Sinn macht es dann, aktiv auf Veränderung einzuwirken? Was für eine Frage! Macht es dann überhaupt einen Unterschied, ob ich mich sozial verhalte oder engagiere? Wenn ohnehin mein Ausbleiben an Engagement dazu führt, dass andere automatisch an anderer Stelle meinen Verantwortungsteil übernehmen? Ist das wie mit der physikalischen Energie, die ja auch immer irgendwo ist? Ist nicht die weltweite Energiesumme immer gleich? Kann es denn sein, dass die Entscheidung für altruistisches Engagement nur der innerseelischen Hygiene dient? Weil es immer auf der Welt vom Guten und vom Schlechten gleichviel geben wird? Und ist es nur eine private Geschmacksfrage, wer jetzt auf welcher Seite steht und Anteile der Aktivität übernimmt? Ist es wie im Yin Yang die Dualität der Dinge, die uns das Schlechte nie ausmerzen lässt? Und ist ein weltweites Ansteigen von humanitärem Niveau überhaupt möglich? Ein Wunschdenken christlich vernebelter Persönlichkeiten?

Rechnerisch
Erfreulich vielschichtiger als die anschauliche Gedankenwelt ist die Realität. Welche Dimensionen kommen noch zum Tragen, wenn wir schlicht nachlassen, aktiv zu sein? Und dann einmal prüfend gucken, wer jetzt stattdessen aktiv wird. Dazu kommt noch die Frage: Gibt es Neuigkeiten ohne Gelassenheit? Ist nicht jede Aktivität Folge von Anspannung? Und kann aus Anspannung neues erwachsen? Ist die Basis umfangreicher Entwicklung nicht vorheriges Scheitern? Aufgeben eines Plans, dessen Gültigkeit schon lange in Frage stand? Wer alle Hände voll zu tun hat, hat keine frei, Neues zu begreifen! Kann es also sein, dass ein bisschen Faulheit und Gleichgültigkeit dem Fortschritt mehr dienen als Konzept und Fleiß? Vor allem, wenn im Konzept die Zieldefinition ungenau war oder aus kläglichen Motivationen heraus geschah?

Souveränität
Und was ist, wenn wir gar nicht die Souveränität besitzen, all unsere Geschicke selbstverantwortlich zu lenken? Wenn noch andere Kräfte ihre Finger im Spiel haben? Banal: Wer sagt Ihnen, dass Sie beim Einkauf Ihren Bedürfnissen folgen und nicht erfolgreich ausgeklügelter Werbepsychologie auf den Leim gehen? Oder ganz anders: Was, wenn Sie meinen Ihre Geschicke zu lenken, und es gibt einen Gott, der Besseres mit Ihnen vorhat? Und all Ihr Scheitern ist nur der Hinweis darauf, dass Sie nicht auf seinem Weg sind? Und Sie stehen auf Ihrem kleinen Thron und schimpfen wie ein Rohrspatz, während Sie sich der höheren Fügung verweigern? - Wer löst die Weltbremse fehlender Entwicklung? Putin, Erdogan oder andere schwachköpfige Politfürsten? Oder ist das Lösen der Bremse der Abschied von der Kleingeistigkeit irgendeines einzelnen? Und was, wenn dieser einzelne nicht ein anderer ist, sondern Sie? Dass wie in der Schwarmtheorie 5 bis 10 % aller Teilnehmer für einen Richtungswechsel reichen – und nur genau Sie fehlen, um den Wechsel in Gang zu setzen?

Torftipp: Nichts machen. Nachspüren. Machen, was sich gut anfühlt. – Frei nach Kästner: Hüte dich vor den Entscheidungen, zu denen du nicht lächeln kannst.