20 Jahre Torfkurier, der Film






Verfehlte Medienaufmerksamkeit

Wer besetzt den Gedankenraum?

Von Götz Paschen

Foto: Peashooter / pixelio.de

„Von Phänomenen wie Pegida, die sehr unschön sind und viel Aufmerksamkeit von den Medien bekommen, darf man sich nicht irritieren lassen“, meint Physiker Professor Burkard Hillebrands, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts in Dresden. Ihn interessiert das Renommee seines Instituts. Wieso steht Dresden für die Öffentlichkeit nur für die geringe Minderheit der Irren der Pegida? Weil die Medien nur darüber berichten. Lese ich die Titelseiten der Presse, gibt es auf der Welt nur drei Präsidenten: Putin, Erdogan und Trump. Betrachte ich die innerdeutschen Wahlergebnisse, steht die AfD im Mittelpunkt der Berichterstattung. Je mehr Frust Sie lesen, sehen und hören, umso weniger haben Sie den Eindruck, etwas ausrichten zu können. Völlig verkehrt.

Ermutigung
Es gibt Medien (zum Beispiel ‚Publik Forum‘), die achten explizit darauf, auch positive Berichte und Figuren neben den Dramen zu liefern. Gefühlt 50 : 50. Da erfahren Sie dann, dass Papst Franziskus in Lateinamerika sukzessive die konservativen Bischöfe austauscht. Es kommen Freunde von Verteilungsgerechtigkeit bei landwirtschaftlichen Flächen an die Macht, Retter von Umwelt und indigenen Völkern, Homosexuellen-Tolerante … Auf welcher Titelseite stand das?

Gelassenheit
‚Mürrische Indifferenz‘ nannte ein Interviewpartner eine mögliche Reaktion der breiten Masse von Demokraten auf Terroranschläge. Konkret ist gemeint, sich nicht aufzuregen und hektisch zu reagieren. Das hilft nichts. Jedes Ereignis kriegt die Anteilnahme und Zuwendung, die ihm gebühren. Nicht weniger, nicht mehr. Alle Terroranschläge in Europa und anderswo: Keine Frage, erschreckendes Ereignis. Aber wozu die Aufregung? Wem hilft die? Ist so die Anteilnahme größer? Wiederholen die Ereignisse sich seltener, je mehr mediales und privates Geschrei wir um sie veranstalten? - Sparen Sie sich Medien, die nur Ihre Seele grau machen. Wählen Sie Informationen, die Sie dazu motivieren, die Welt mitzugestalten. Einzugreifen. Sich aktiv zu beteiligen. Gegenzuhalten. Und vor allem: Eigene Akzente zu setzen. Standpunkte zu formulieren. Wo ist Ihr Anteil, wenn Sie nur den Käse‚nach’denken, der Ihnen präsentiert wird? Wollen Sie nicht viel lieber durch eigene Impulse das Morgen ‚vor’denken, das entstehen soll.

Handeln
Ich habe mich heute aus gutem Grund mit einem Bekannten eine halbe Stunde am Küchentisch ‚gestritten‘. Danach hatte jeder gesagt, was er sagen wollte. Es gibt zwei Lösungselemente, die in Zukunft dafür sorgen sollen, dass die verursachende Situation nicht wieder eintritt. Wir haben uns die Hand gegeben, und der Tag lief für beide normal weiter. Das ist Weltfrieden im Kleinen. Konfliktmanagement. Das hat Ausstrahlung, in mein Leben und in das der Menschen, die mich umgeben. Nicht mehr, nicht weniger. – Dann gehören Sie und ich, die das hier lesen, bei der sozialen Schere vermutlich nicht zu dem hungrigen Teil. Das ist Zufall und ein Geschenk, wenn wir bereit sind, abzugeben. Und der kleine Mann am Imbiss neben mir mit den Krücken, den fehlenden Zähnen und dem wilden Akzent gehört in die untere Hälfte der Schere. Und er isst gern Teigtaschen mit Hähnchen, wie er erzählte. Sah aber gar nicht so aus, als ob er die dreifünfzig dafür locker hätte. Wenn ich ihn einlade, ist das keine Armutsbekämpfung. Das sind eine Geste und eine Mahlzeit. Nicht mehr und nicht weniger. „Danke du. Gott hat gesehen.“ Na immerhin!

Eigene Linie
Vielleicht ist die Welt viel besser, bleibt es oder wird es, wenn wir die Schreihälse nicht so ernst nehmen. Nur weil Trump, Erdogan und Putin nicht lange genug gestillt worden sind, muss die ganze Welt und mich ihr Schwachsinn interessieren und lähmen? Wachsam sein. Gegenhalten. Sein eigenes Ding machen. Nicht mehr, nicht weniger.

Torftipp: Einfach machen!