20 Jahre Torfkurier, der Film






Udo geht saufen

Sozial-Kognitive Persönlichkeitstheorie.


Von Götz Paschen
Foto: Mirco Barnebeck/pixelio.de

Am Wochenende geht Udo auf Piste. War die Woche Scheiße, gibt er sich die Kante. War sie in Ordnung, guckt er nach Mädels. Die letzte Woche war so Mischung. Ist nicht ganz klar, was heute Abend 'geht'. Versumpfen oder Aufriss? Aktuell noch so Zwischenzone.
"Die Einschätzungen beeinflussen, welche Handlungen überhaupt aufgenommen werden, wie lange und intensiv eine Lösung angesichts von Schwierigkeiten versucht wird, sowie die emotionalen Reaktionen während der Antizipation und Ausführung der Handlung", sagen Bandura und Mischel, zusammengefasst von Jonas/Stroebe/Hewstone.
Mit 16 war Udo mal in einer Kneipe, in der die Bedienung der Ansicht war, Saufen tut Jungs nicht gut. Sie hat ihm permanent Alkoholfreies für Echtes verkauft. Udo wurde nach dem Fünften lauter und klopfte den Kumpels auf die Schultern. Aber 'Schädel' hatte er nicht am Morgen danach.
Experimente von Bandura, Ross & Ross zeigen: "Der Prozess der 'Selbst-Verstärkung' ist besonders wichtig für das Aufrechterhalten von Verhalten über längere Phasen ohne externe Verstärkung." Wir bewegen uns im Bereich des Konditionierens.

Marktwert
Schädel oder Damen? Udo fängt erst einmal mit einem soliden Bierchen an. Nach dem geht immer noch beides. Nach dem vierten legt er gewöhnlich die Frauenfrage ad acta. Wegen des Trainings liegt Udos Absturz inzwischen einige Biere später. Klappt aber. Mädels ist komplizierter. Liegt der Marktwert der Dame wesentlich über seinem, geht die Geschichte vor die Wand.
Rotters spricht von Erwartungen. "Erwartungen sind subjektive Wahrscheinlichkeitsannahmen einer Person, dass in einer bestimmten Situation Verstärker als Handlungsfolgen eintreten werden. Es handelt sich somit um Handlungs-Ergebnis-Erwartungen."
Einmal hat Udo hackestramm ein Mädel gefreit, das sich trotz Fahne und grenzenlos überlegener Schönheit ihm hingab. Udos Grundüberzeugungen waren erschüttert. Dahinter stand eine Wette der Mädchenclique. Das weiß er bis heute nicht. Die Kombination von Saufen und Baggern klappte nur dieses eine Mal.
Grundlagen der Sozialen Lerntheorie Rotters: "Die Persönlichkeit weist eine Einheit auf. Die Erfahrungen einer Person (also ihre Interaktion mit der bedeutungshaltigen Umwelt) beeinflussen sich wechselseitig."

Herkules
Udos Kumpel Herkules hat nie 'Schnitte' bei Frauen. Sein Name war ein frommer Wunsch des Vaters. Selbst eine Riesenfresse und ein kleines Ego. Für jeden Furz hat er auf Herkules rumgeprügelt. Von dessen Ego blieb wenig übrig. Es reicht für ein halbwegs unauffälliges Leben. Mit echten Erfolgen hat das nichts zu tun. Herkules baggert jedenfalls nie Frauen an.
"Eine wichtige Komponente des Selbst ist die 'Selbst-Wirksamkeit'. Das Konzept der Selbstwirksamkeit bezieht sich auf die Einschätzungen der eigenen Fähigkeit, bestimmte Situationen oder Probleme bewältigen zu können."
Im Rahmen der gemeinsamen Unternehmungen ist Herkules eher ein Trabant, der sich in engen Kreisbahnen um Udo dreht. Kern der zentralen Aktivitäten sind die Haudegen der Clique und nicht die Trabanten. Die sind geduldete Claqueure*. Udo dagegen ist offensichtlich als Baby ausreichend gestillt und betüddelt worden. Obendrein war sein Vater oft genug mit ihm Angeln. Das prägt. - Daher meint er auch, dass Silke, die Lockige da vorne, ein Grund wäre, nach dem ersten Bierchen freiwillig auf alkoholfreies umzusteigen. Er schlendert zum Tresen rüber und fängt ein charmantes Geplauder an.
Motivationaler Prozess: "Wenn positive Verstärkung (external, stellvertretend oder selbstgeneriert) potentiell vorhanden ist, wird das Modellverhalten ausgeführt."
Herkules guckt sich die Balz mit etwas Neid aus sicherer Entfernung an.
"Neue komplexe Verhaltensmuster können unabhängig von Verstärkungen erworben werden. Die tatsächliche Ausführung des Verhaltens wird dagegen von Verstärkungen, beziehungsweise Bestrafungen beeinflusst."
Herkules geht auch an den Tresen, spannt Udo Silke aus und lässt sich von ihr mitnehmen.
Dafür hat die Sozial-Kognitive Persönlichkeitstheorie kein vernünftiges Erklärungsmuster.

*Beifallsklatscher