20 Jahre Torfkurier, der Film






Together is bessa!

Was bleibt, wenn der Sprit geht?

Von Götz Paschen

Foto: Makrodepecher_pixelio.de

Die Hoffnung lautet: Strom, Wasserstoff, Furzgas … Meiner Ansicht beim aktuellen Bedarf alles unrealistisch. Es wird eine Zeit kommen, in der Mobilität wieder mehr mit Kommunikation zu tun hat. Eine Frankfurter Umweltinitiative warb für gemeinsames Pendeln mit: ‚Together is bessa!‘ Hessische Mundart goes Käseenglisch. Der Trend wird kommen und mit dem Trend auch das Autohaus der Zukunft.

Mobilitätsagentur
Das Autohaus der Zukunft wird eine Mobilitätsagentur sein. Ich gucke morgens, mittags oder abends unsere Straße rauf- und runter. Immer (!) stehen von gefühlt zirka 35 Autos mindestens (!) 16 parkend am Rand. Spreche ich mit den Nachbarn, sehen sie keinen Bedarf an ‚Carsharing‘. Oder es wirkt auf sie zu kompliziert. Spontane Mobilität ohne Buchung ist also jedem Haushalt viel wert. Mir würde es reichen, ich könnte mit einem vernünftigen Auto fahren. In Eigeninitiative ein Carsharing auf dem Dorf zu organisieren mit Buchungszentrale, Werkstattdienst und Abrechnung, ist aufwändig. Wir haben es einige Jahre betrieben. Unser Wagen war permanent mit den verschiedensten Leuten unterwegs. Das funktionierte annährend reibungslos. Bis auf Spontanbuchungen am Wochenende war alles möglich. Einer macht die Werkstattfahrten, ein anderer die Abrechnung und wir im Torfkurierbüro die Buchungszentrale. Bei uns fuhren neben drei Autoeigentümern auch adaptierte Interessenten. Der Wagen war viel in Bewegung und fuhr günstig. Zwischenzeitlich haben wir ihn auf Flüssiggas umrüsten lassen. Die Umrüstung kostet heute grob 2.400 Euro. Durch drei geteilt nur 800.

Carsharing kompliziert
Und wie das so ist: Einer zieht weg. Einer macht beruflich etwas anderes. Keiner, der was drauf hat, will nachrücken und das Ding erledigt sich, weil ohnehin genug sonst anliegt. Einer kauft die anderen zwei Drittel zurück. Und eine Idee wird Geschichte. Ruft man beim Bremer Carsharing an, gibt es eine Absage. Haltestellen im Umland waren unlukrativ und wurden wieder eingestellt. Es einer solchen Firma anzuhängen, klappt also nicht. Die private Organisation ist recht großer Aufwand. Nicht jeder hat ein permanent besetztes Büro im Rücken. Bei Unzuverlässigkeit kommt der Wagen nicht in die Werkstatt. Excel finden auch nicht alle Menschen geil. Und viele sind schon damit überfordert, Tankquittungen sauber abzuheften. Geschweige denn für den Nächsten zu tanken, wenn die Karre auf Reserve ist. Das sind keine selbstverständlichen Kulturtechniken für die breite Masse. Entweder die Teilnehmer wären organisatorisch in der Lage, sind aber zu spießig für so ein Projekt oder/und haben keine Notwendigkeit vom Einkommen her. Oder sie sind innovativ genug, kriegen es aber weder formal noch planungsmäßig auf die Reihe.

Carsharing professionell
Ich würde das Carsharing lieber professionell bei einem Autohaus angesiedelt sehen. Als ergänzendes Geschäftsfeld. Buchungen, Werkstatt und Abrechnung – alles in einer Hand. Kontrolle über eine Eigentümergemeinschaft wie beim Zehnparteienhaus mit Hausverwaltung. Die Nase vorn zu haben, war immer schon mit Aufwand verbunden. Man kann es ja parallel zum ganz normalen Autohausbetrieb laufen lassen. Oder als Azubiprojekt.

Weitere Angebote

Und weil innovatives Denken nicht mit der ersten Idee aufhört, geht es weiter mit ergänzenden Angeboten: Die Mobilitätsagentur bietet den Service einer Mitfahrzentrale. Oder sie positioniert sich über Werbung als Treffpunkt für Onlinemitfahrzentralen. Das macht relativ Null Aufwand, sieht gut aus und bringt ein positives Image. Man trifft sich also freitags 16.30 Uhr zur gemeinsamen Fahrt zu fünft mit schlankem Gepäck nach Berlin auf dem Parkplatz der besagten Firma. Weil hin und wieder doch noch einer ein eigenes Auto kauft, ist die Wartezeit auf den Fahrer optimal zum Spaziergang zwischen Neu-/Gebrauchtwagen. Genauso verkauft die Moblitätsagentur Zugkarten, Bahnkarten, VBN-Monatskarten, macht Fahrradverleih, kriegt eine eigene Bürgerbushaltestelle …

Torftipp: Flotte Ideen machen sexy!