20 Jahre Torfkurier, der Film






Schenk mir keine Blumen!

Oder was steht in dem Display auf Ihrer Stirn?


Von Götz Paschen

Sie sind eine attraktive Frau. Sie sind gepflegt, humor- und liebevoll. Ihr Freund/Mann liebt sie. Aber er schenkt Ihnen keine Blumen. Warum nicht? Die dümmsten Trullas, die Ihren Männern nur auf die Nerven gehen und sich um nichts kümmern. Die kriegen permanent Blumen geschenkt. Warum? Sie nie. Wie kann das angehen? Die Antwort ist einfach: Auf dem unsichtbaren Display auf Ihrer Stirn steht geschrieben: “Ich heiße Jutta. Auch wenn es nach außen anders wirkt, mein Selbstwert ist gering. Ich verdiene keine Zuwendung. Schenk mir keine Blumen.” Klingt hart, ist aber Fakt. Sie sind leistungsstark, haben tolle Einfälle und sind zuverlässig. Ihre Bewerbungsunterlagen sind einwandfrei. Elf Stunden Arbeit täglich. Ihre Karriere entwickelt sich beschissen zäh. Warum? Chaoten ohne Konzept und Idee sind Ihre Vorgesetzten. Warum ist es nicht umgekehrt? Ihr Stirndisplay sagt: “Ich heiße Justus. Ich trau mich nicht wirklich. Alle anderen sind besser als ich. Lasst mich klein sein.”

Widerspruch
Egal, wie hart Sie kämpfen und wie viel Aufwand Sie treiben. Sei es um Zuwendung, Erfolg, Entspannung, Gewicht, Zeit, Geld, Gesundheit, Drogenabstinenz ... Sie schaffen es nicht. Und zwar solange nicht, wie Ihr inneres Programm an alle unsichtbar sendet: “Ich will gar nicht.” Was Sie sich nicht gönnen, werden Sie nicht erreichen. Und im Widerspruch zu dieser unsichtbaren Schrift, die Ihr Unterbewusstes stets sendet, steht Ihr Bewusstsein. Das ist nur leider völlig unerheblich. Sie können rennen wie der berühmte Hamster im Rad. Wenn Sie aus dieser Bewusstseinsschleife nicht aussteigen, drehen Sie immer wieder den gleichen Film. Das ist langweilig. Egal, wie kreativ Sie 74 verschiedene Lösungsansätze durchziehen. Keiner wird fruchten. Zuerst müssen Sie das Unterbewusstsein umstellen, sonst wird es nichts.

Ursachen
Interessant ist, die Ursachen sind belanglos. Vielleicht haben Sie als Kind und Jugendlicher zu viele Ohrfeigen abbekommen. Das soll ja bekanntlich die seelische Entwicklung und den Selbstwert hemmen. Oder Sie sind zu wenig gekrault worden, was zu einer emotionalen Unterernährung führt. Oder man hat Sie regelmäßig und lautstark beschimpft oder schweigend abgewertet. Vielleicht wurden Sie auch zu früh abgestillt ... Ein Defizit, das sitzt, sitzt. Da können Sie in Ihrer Vergangenheit wühlen, wie Sie wollen. Das erhellt zwar die Tatsache, ändert sie aber nicht. Wichtig ist, Ihr Programm hat gelernt, dass Sie ein armes Schwein sind und sein sollen. Und arme Schweine singen geräuschlos ihr Leben lang das ‘Arme-Schweine-Lied’. Und solange Sie das Lied der armen Schweine singen, werden Sie dazugehören. Das ist die Nationalhymne, die Ihr Leben in genau den engen und bescheuerten Grenzen hält. Da können Sie hundertmal mit Pauken und Trompeten die Erfolgsoffensive fahren. Sobald die Attacke vorbei ist, trällern Sie wieder notorisch das ‘Arme-Schweine-Lied’ und treten leise weinend den Rückzug an. Zerstören alle Erfolge im Handumdrehen. Intuitiv. Damit Ihr Mantra weiterhin Gültigkeit hat: “Ich bin ein armes Schwein.” Oder: “Ich bin gestresst.” Oder: “Ich bin knietief im Dispo.” Oder: “Keiner liebt mich.” Oder: “Ich komm vom Alkohol nicht los.” Oder: “Ich bin unglücklich.” Egal, wie der Refrain Ihres Dauergesangs heißt, er hat sich tief in die Hirnrinde oder sonst wo eingebrannt und will Realität sein.

Lösungen
Also: Nichts tun. Machen hilft ohnehin nicht, wenn Sie schon viel oder alles ausprobiert haben. Nichts tun und umdenken. Das ist wesentlich schwerer als das ganze Rumgemache. Das sind doch nur Ablenkungsmanöver von der eigentlichen Lösung. Sich hinsetzen, still wahrnehmen, umprogrammieren. Sich mit Leuten umgeben, die Ihr Display durchschauen. Solchen, die Ihre Herzenswünsche hinter den blinkenden Leuchtschriften wahrnehmen. Und die Sie in Ihrem Programmwechsel bestärken. Im Gegenüber eine Frage aufwerfen. Oben im Display: “Schenk mir keine Blumen.” Und dazu das T-Shirt tragen, auf dem steht: “Tu’s doch!” Und auf die Frage: “Was denn jetzt.” Mit “Tu’s doch” antworten.