20 Jahre Torfkurier, der Film






Meyerbröder

Ein Taugenichts und seine Selbstinszenierungen.

Von Götz Paschen (Text und Fotos)

Meyerbröder, wen interessiert dein neuer Auftritt? Mit Fliege und Zylinder - du alter Aufschneider. Einen rotzigen Lump, wie du einer bist, erkennt jeder gescheite Mensch. Und ob du dir von oben den Strahl der Erleuchtung breit und fett in die Birne brennen lässt ... Oder ob das Gold der Sonne dich seitlich erleuchtet. Das interessiert doch kein Schwein. Selbst der blöde Frosch hört auf zu quaken, wenn du in Erscheinung trittst. Da verstummt sogar das ärgste Großmaul. Alter, du machst das Rennen, wenn es darum geht, wer am dicksten auftragen kann. Geh hin und ertränk dich im Teich, du Nachgeburt des Satans. Oder begaff dein Spiegelbild in der Wasseroberfläche. Suhl dich in deinem exorbitanten Narzissmus. Blas dein kümmerliches Ego auf mit deiner Selbstverliebtheit. Aber, Meyerbröder, belästige keine anständigen Menschen mit deinen Selbstinszenierungen. Wir sind die, die wir sind. Wir verrichten unser Tagewerk, während du noch deine Geste einstudierst. Dir reicht es zu sein. Wie kannst du dich nur so feiern? Meyerbröder, das ist mir ein Rätsel. Kommt da noch was? Wir reißen uns den Arsch auf und keine Sau erkennt es  an. Und du feierst dich! Feierst dich grundlos. Dir reicht es, da zu sein. Schon das ist dir ein Fest wert. Hast du denn kein Maß? Keine preußischen Tugenden? Keinen protestantischen Verzichts- und Arbeitsethos. Du Schänder von Würde und Moral. Da wird ja jeder rechtschaffene Mensch blass vor Neid, wenn er mitkriegt, wie selbstzufrieden du mit dir bist. Feierst jeden Pups, wie eine Mutter das Bäuerchen des Neugeborenen. Null Selbstwirksamkeit und trotzdem strahlt dir das Glück aus dem Arsch, als hättest du es so abonniert. Meyerbröder, wenn das so weitergeht, haut dir eines Tages ein Retter der guten Sitten dein breites Grinsen und alle 32 Zähne in den Schlund. Sieh dich vor!

Etwas Gescheites
Meyerbröter, endlich machst du mal was Gescheites. Schicke Kanone habt ihr da! Militär, das ist eine gute Idee. Und der eine zündet schon die Lunte an. Da wird das gleich ja ordentlich krachen. Meyerbröter, habt ihr denn auch genug Pulver rein getan? Was wiegt denn so ne Kugel? Und wo schießt ihr die da hin? Die Uniform steht dir ausgezeichnet. Und was fliegt da oben alles rum? Was, das sind die Beine mit Stiefeln von den Kameraden aus der ersten Reihe? Glaub ich nicht! - Und wieso haben die in der ersten Reihe alle die Beine ab? - Das ist so im Krieg? Unsinn! Und wieso machen die dann noch mit? Die sollen doch nach Hause gehen. Ja, weiß ich - gehen können die nicht mehr. Dann eben fahren. Ach, die kommen nicht weg von der Front. Rückzug abgeschnitten? Eingekesselt. Und was macht ihr dann? Durchhalten. Bis die anderen den Kessel durchbrochen haben? Wie weit sind die denn weg? Wisst ihr nicht, Funkverbindung abgebrochen. Klingt ja bescheiden - Meyerbörter, jetzt machst du schon mal was Gescheites und dann läuft das schon wieder schief. - Du hast die Schnauze voll? Halt durch, lautet die Parole. Die Verwundeten stöhnen immer nachts? Ach erzähl mir doch keinen Unsinn: Die Beine fliegen da überall rum, weil das Bild unten zu kurz war. Die passten da nicht mehr drauf, deshalb! Ich will die Situation nicht schön reden, aber nur weil das Blatt zu Ende ist, müssen die Beine doch nicht zwischen euren Köpfen rumfliegen. Das ändere an der Realität von Krieg nichts? Meyerbröter, jetzt treffe ich dich einmal in einem annehmbaren Kontext und du? Meckerst! Das ist Wehrkraftzersetzung. Überleg dir gut, was du sagst. Es kann alles gegen dich verwendet werden. Verwundet? Nein verwendet. Hör mir gefälligst mal zu, wenn ich mit dir rede! Still gestanden! Präsentiert das Gewehr! Gleichschritt Marsch! ... Ich hätte dir gar nichts zu sagen? Wer denn dann? Dein Offizier? Welcher ist das? Der mit dem silbernen Helm. Wieso hat der denn so einen Spaß? - Der hat gerade die Beine durchgezählt? Ja und? Es sind 10 Stück. 5 Männer, 10 Beine - fehlt keins. Na, dann ist ja alles in Ordnung. Da hat der ja auch Grund zur Freude. Du könntest dich ruhig auch freuen. Die anderen Kameraden mit Beinen freuen sich auch alle. Und du winkst nur ab. Meyerbröter, gedanklich bist du doch schon längst desertiert. Und die anderen auch. - Du meinst, die können ja auch nur gedanklich desertieren ohne Beine. Sei nicht so sarkastisch. Bisschen mehr Zuversicht, bitte! Den Blick geradeaus und mutig voran, du Schlappschwanz. Steh deinen Mann!

Torftipp: Ausstellung ‚Grenzen und Meyerbröter‘, Ölpastellkreide auf Papier von Götz Paschen, Reihe: ‚Eiskult - Eiskalt!‘, Café Lindenlaub, Wilhelmshauser Str. 2, 28870 Quelkhorn, 0 42 93 - 78 64 74, Öffnungszeiten:
Di.-Sa. 14.00 – 19.00, So. 12.00 – 19.00 Uhr, vorerst unbefristet.