20 Jahre Torfkurier, der Film






Männer-Kalender

Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn.

Von Götz Paschen

Foto: Cigdem Büyüktokatli/pixelio.de

Es widert einen an. Egal, wo ich hinkomme, es hängen halbnackte oder nackte Kerle an den Wänden: Bei der Sportsfreundin im Bad, im Waschsalon, in frauenlastigen Berufsfeldern und Büros, am Bremer Bahnhofszeitschriftenhandel … Junge Astralkörper, hübsche Frätzchen, gegelte Haare. Frauenkalender sind tabu. Autowerkstätten und Umkleidespinte sind geräumt. Die Objektorientierung in Bezug auf Frauen ist klar auf dem Rückzug. Alice sei Dank. Und jetzt gehen die Frauen in die Offensive. Aber nicht nur die Blondinen. Nein, auch solche, die richtig was auf der Pfanne haben. Die fotografierten Burschen sind alle gerade mal knapp über 18. Außer Muckibude und Sonnenstudio haben die vom Leben noch nicht viel gesehen. So dass man den reifen Frauen, die diese Fotos genießen, bald pädophile Neigungen unterstellen möchte. Dass wir bei den Sixpacks nicht ganz, sondern nur fast mithalten können, hat vielfältige Gründe: Erwerbsleben, der monatliche Abtrag fürs Haus, Paartherapie oder Gesprächsabende mit IHR, gemeinsamer Massagekurs oder Tantrawochenende zu zweit, Kinderdienst und und und.

Textilwahl
Ja, wer will bei so vielen Verpflichtungen denn noch Pulverdrinks schlürfen können und täglich 90 Minuten an die Geräte, Situps vorm Frühstück und die Hantel mit aufs Klo nehmen? Da darf keine Sekunde ungenutzt bleiben. Posing vorm Spiegel. Und wenn noch Zeit übrig ist, die dann bitte in Männerunterbuxenläden vertrödeln. Sie glauben doch nicht, dass Ihre dämlichen Boxershorts noch irgendeine Ische vom Sofa hochreißt, wenn Sie zu den ,best of‘ von Barry White auf dem Couchtisch strippen. Die Pragmatiker unter uns kaufen ja 7er-Pack Größe 5, 6 oder 7 - je nachdem was für ein Arsch man ist. Aber damit werden Sie bei den Frauen von heute nicht mehr fündig. Was sagte noch einmal ein Kumpel über Models: "Das sind doch nur 3 %, die so aussehen. Und mit denen wird der Rest in Schach gehalten." Vielleicht ist das auch eine Maßnahme der politischen Eliten. Je minderwertiger und armseliger sich der Einzelne fühlt, umso leichter lässt sich die Masse unterdrücken.

Kalender selber machen
Mein Vorschlag wäre, einen Männerkalender mit den Kerls aus der Nachbarschaft zu produzieren. Jungs wie du und ich. Zieht eure normalen Boffis an. Zeigt eure Speckbäuche. Präsentiert mit Stolz, wer Ihr seid, Männer! Und das dann bitte aufs Foto. Weil schon März ist, brauchen wir auch nicht mehr zwölf, es reichen zehn Nachbarn. Kack was auf die Figur. Ausstrahlung zählt. Was die Frauen uns in 40 Jahren Emanzipation vorgemacht haben, wollen wir als Vorbild nutzen und fix nachholen. Welche gestandene Frau will denn wirklich so einen Stoppelhopser im Bett haben. Von nix 'ne Ahnung. Voreilig wie die Ferkel am Trog. Und danach Dialoge über Haargel und Apps fürs Handy. Na, viel Spaß. Natürlich ist das pfiffig, von Schraubenfirmen wie Würth, neben den üblichen Pin-up-Kalendern für Männer auch welche für Frauen zu produzieren. Die Bestellungen gehen über das Büro. Und da sitzen die Damen. Gleichberechtigung in der Kalenderzone halte ich für völlig angemessen. Aber das heißt ja nicht, dass wir Jungs jetzt den gleichen Fehler machen müssen, wie die Frauen. Uns auf die Objektebene reduzieren zu lassen und uns chancenlos auf den Wettbewerb einzulassen. Wir kürzen das einfach ab und finden uns weiterhin prima. Trotz Bauch und ohne Sixpack.

Du bist schön
Laut einer Untersuchung des qualifizierten Medienproduktes 'Bild' sind ohnehin die Frauen mit Körpern unzufriedener. Nicht nur mit dem eigenen, auch mit dem ihres Mannes. Bei Männern sei es umgekehrt. Die finden sich und ihre Frauen grundsätzlich viel vorbehaltloser attraktiv. Richtig so. Wär ja auch ein Unding, wenn wir jetzt zu dem gesamten Lebensstress auch noch um unsere naturgegebene Attraktivität ringen müssten. Nicht umsonst sterben Männer schon ohne diesen zusätzlichen Stress erheblich früher als Frauen. Ich glaube acht Jahre. Wäre es umgekehrt, wären diese acht Jahre das Hauptthema der Frauenbewegung die letzten 40 Jahre gewesen. Das behauptet auch Matthias Stiehler, Mitgründer des bundesweiten Netzwerkes Männergesundheit und Autor der Buches "Der Männerversteher". Er rät zwar nicht zur Herausgabe eines 10-monatigen Nacktfotokalenders von Nachbarschaftsmännern. Aber das kann man auch von einem psychologischen Berater am Dresdner Gesundheitsamt nicht erwarten. So, auf geht's, sprechen Sie mit Ihren Nachbarn. Zeigen Sie Ihrer Frau, wie ein echter Kerl aussieht. Erläutern Sie ihr den lasziven Reiz einer doppelt gerippten Unterhose, Stück 5,90 Euro im Zehnerpack und den eines schlanken Bizeps!

Torftipp: "Der Männerversteher", Matthias Stiehler, ISBN 978-3-406-60598-7, 12,95 Euro.