20 Jahre Torfkurier, der Film






Liebe Eltern,

Annäherungsversuch von Ausbildern, Lehrern, Trainern u. ä.


Von Götz Paschen

Foto: Günter Halvena/pixelio.de

Mit Vergnügen unterrichten wir eure Kinder und bilden sie aus. Das mit der Erziehung ist aber Sache des Elternhauses: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dürfen grüßen. Das wirkt zugewandt, interessiert und drückt ein gesundes Maß an Respekt aus. Respekt ist eine zweiseitige Haltung. Wir grüßen auch gern zurück. Was in jugendlichen Subkulturen voll angesagt ist, wirkt eventuell gegenüber Erwachsenen nur halb so geil, wie es gemeint ist. "Guten Morgen" ist gar nicht so Scheiße, wie man denkt. "Guten Tag" gehört zu den unkreativen Floskeln, bringt's aber bei Ausbildern und Lehrern ab 30, 40 oder 50 voll. Da stehen wir drauf. Nun gibt es ja gerade bei Jungs umfangreiche Faustklopf- und Handschlagbegrüßungsrituale. Die bewundern wir sehr. Es freut uns, dass sie sich so gegenseitig Zugehörigkeit demonstrieren und Wertschätzung zollen. Uns reicht dagegen der klassisch konservative Handschlag. Zugreifen, drücken, 'Guten Morgen'. Damit macht jede/r Schüler/in oder Azubi ohne viel Aufwand Punkte. Aber bitte zugreifen und etwas drücken. Nicht nur matschig hinhalten. Das hat so gar nichts. Körperhaltung gleich Geisteshaltung.

Erscheinen
Ein zweiter Klassiker: Wenn wir um 7, 8 oder 18 Uhr anfangen, dann wollen wir auch anfangen. Verspätungen wirken echt lässig, sind aber gar nicht cool. Das stört. Wir müssen Nachzügler in den begonnenen Prozess einordnen. Die Aufmerksamkeit der anderen wird abgelenkt. Schenkt euren Kindern doch so viel Zuwendung, Anerkennung und Aufmerksamkeit, dass sie sich die nicht über solche Extravaganzen holen müssen. Die Stechuhr wird übrigens erst nach dem Umkleiden am Spint gestochen und nicht vorher. Wer sich vor der Arbeit Kaffee kochen will, darf das 'sechs vor' tun. Dann ist der Kaffee pünktlich um 'voll' fertig, und es kann losgehen. Ihr fahrt ja auch lieber pünktlich Zug, obwohl es beim Lokführer im Bett morgens noch so gemütlich war.

Planung
Scheibenkratzen am Auto dauert langsam sieben Minuten. Im Winter muss euer Kind bei entsprechenden Temperaturen den Wecker früher stellen. Platte Fahrräder müssen sie vor der Abfahrt aufpumpen. Wie flicken geht, dürft ihr ihnen samstags gern mal beibringen. Wenn es regnet, ist Schutzkleidung klasse. Wenn nachher der halbe Schüler über der Heizung hängt, bringt das den Unterricht durcheinander. Wir wollen nicht alle gleichschalten. Aber wir hätten gern vernünftige Planungs- und Arbeitsgrundlagen.

Erscheinung
In Kreativberufen und bei Netzwerkadministratoren ist Dekoration Teil der Gesamtkompetenz. Glatze, Dreadlocks, Piercing bis 40 Gramm Gesamtmetall, Tattoos … passen aber nicht zu jeder Präsentation. Firmenmitarbeiter, auch Azubis, sind die Visitenkarten des Betriebes. Wenn Löcher in der Hose Mode sind, darf die Frisur stimmen. Wer sich wilde Hörnchen in die Haare gelt, kann ruhig die Hose auf der Hüfte tragen und nicht in den Knien. Die Unterhose darf von der Hose zumindest teilweise bedeckt sein. Und auch den schönsten Busen dürfen Mädchen angemessen einpacken. Tiefe Dekolletés gucken wir uns in James Bond-Filmen an.

Handy aus
Das Leben ist da, wo der frische Wind weht. Sport tut euren Zöglingen gut. Computerzeiten dürft ihr eingrenzen. Fernsehzeiten ebenfalls. Verblödet können wir mit euren Kindern wenig anfangen. Aktive Hobbys bringen Vorsprung und Pluspunkte. Technikkompetenz ist gewünscht. Nerds brauchen wir nicht. Handys abzuschalten, könnt ihr ihnen beibringen. Wir haben Telefone am Arbeitsplatz. Gespielt wird nach Feierabend. Freunde kontaktiert auch. Anfangen heißt fertig machen. Durchziehen stärkt den Charakter. Wir stehen auf Verbindlichkeit. Wir sagen Anweisungen gern nur einmal. Diskutieren finden wir gut, wenn es der Problemlösung dient. Für viele Probleme haben wir die Lösungen aber bereits. Wer lernt, hört zu und fragt. Wer lehrt, erklärt. Das ist selten umgekehrt. Wer 'was drauf hat und gut lernt, wird automatisch verantwortungsvoller eingebunden. Eine Ansage braucht keinen Kommentar, sondern Ausführung. Wir sind auch ungern die Projektionsflächen für Abnabelungs- und Widerspruchsversuche, die daheim nicht gelebt werden konnten. Klare Antworten sind hilfreich. Zentrale Vokabeln: Bitte und danke. Das könnt ihr gern gemeinsam zu Hause üben. Machen heißt machen. Und sein lassen sein lassen. Eigentlich alles ganz einfach. Viel Spaß bei der Erziehung. Die geht übrigens nicht erst mit zwölf Jahren los. Wenn ihr fragen habt, meldet euch.