20 Jahre Torfkurier, der Film






Konkurrenz oder Kooperation

Gedankenfragmente zu Spieltheorie und Moral.

Von Götz Paschen

Foto: dinolino_pixelio.de

Erfreulich aufschlussreich sind die binären Erkenntnisse der Spieltheorie. Sie ist Teilgebiet der Mathematik, beschäftigt sich mit Entscheidungssituationen und hat ihren Ursprung in der Analyse von Gesellschaftsspielen wie Schach, Dame und Mühle. Interdisziplinär findet sie breite Anwendung in den Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Informatik, Linguistik … Werden wir konkret: Zwei Akteure (A und B) treten in produktive Interaktion. Es gibt laut Spieltheorie vier Möglichkeiten: 1) Beide kooperieren. 2) Beide konkurrieren. 3 + 4) Jeweils einer konkurriert und der andere kooperiert (siehe Schaubild). Interessanterweise führen gleichzeitige Kooperation und gleichzeitige Konkurrenz zum selben ausgewogenen Ergebnis. Erst wenn es einem Partner gelingt, dem Anderen Kooperation vorzutäuschen, aber Konkurrenz zu leben, entsteht Ungleichgewicht.

Zwei Beispiele
Zwei Geschäftspartner definieren Konditionen. Sowohl moralische Fairness (Kooperation), als auch gleichzeitige Vorsicht und Wahrnehmung des eigenen Vorteils (Konkurrenz) auf beiden Seiten führen zu einem ausgewogenen Ergebnis. Erst durch Täuschung eines der beiden überwiegt der Vorteil auf einer Seite, den der andere als Nachteil verbuchen muss. Das ist Ihnen zu kaufmännisch abstrakt? Wandern wir hinüber in das Feld der Humanbiologie: Ein Paar verabredet eine treue Ehe und verständigt sich auf drei Kinder. Beide haben ein neutrales Erfolgsergebnis mittlerer Güte. Erst wenn die Frau sich das dritte Kind heimlich von einem anderen machen lässt und der Mann es in gutem Glauben mit groß zieht, ist sie genetisch breiter aufgestellt und er unterstützt fremde Brut. Umgekehrt: Wenn er außerhalb ein viertes Kind zeugt und heimlich wirtschaftlich fördert, hält sie ihm daheim unter anderem für abwandernde Familienliquidität den Rücken frei.

Moral
Eine Eigenschaft wissenschaftlicher Analyse ist, dass sie keine moralische Wertung mitliefert. Die Frage der Moral ist oft eine Frage der Definition von ‚Innen‘ und ‚Außen‘. Humanbiologische Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass das Töten von Mitmenschen in einer gesellschaftlich definierten Gruppe (‚Innen‘) schwere Strafen nach sich zieht. Im Rahmen der Konkurrenz ist das Töten von Menschen außerhalb dieser Gruppe aber legitim, mithin sogar erwünscht. Konkret: Deutsche, die ihren Nachbarn ermorden, kommen in den Knast. Deutsche Soldaten, die in Afghanistan im Rahmen ihres Militärdienstes Menschen töten, müssen normalerweise nicht mit juristischen Folgen rechnen. Wo ist ‚Innen‘ in der Gruppe und wo ist ‚Außen‘? Vielleicht liegt hier das Missverständnis der jüngeren Rassenunruhen in den USA. Für die einen ist ‚Innen‘ immer noch die weiße Bevölkerung der USA. Während für die anderen ‚Innen‘ alle US-Amerikaner unabhängig von der Hautfarbe sind, entsprechend dem geltenden Grundgesetz. Entsprechend ist auch die paradoxe Situation gemeinsamer Erziehung nach Scheidung aufgebaut: Unsinniger- aber vernünftigerweise müssen hier zwei Erwachsene ohne gemeinsames ‚Innen‘ einen Vorteil für ihre gemeinsamen Kinder verfolgen. Während sie in Liebesdingen auf ‚Außen‘ umdefinieren, sollten sie bei der Kinderförderung die ‚Innen‘-Definition beibehalten.

Stammhirn
Wer hat gefühlsmäßig Mühe, sich diesen Gedanken anzuschließen? Es gibt doch Liebe, Freundschaft, Solidarität … - wichtige Verbindungen, die uns stärken. Darauf antwortet die Humanbiologie: Die Bildung von Gruppen hat den Vorteil, dass man in Gruppen besser konkurrieren kann. Während also ganze Berufszweige schwer an der Moral arbeiten, tobt das Stammhirn archaischen Grundmustern hinterher. Vielleicht sichert der Kirchenmann auch nur durch körperlich ungefährliche Arbeit wirtschaftlich das Fortkommen seiner Brut. Ob Rüstungsgüter oder frommer Glaube – jeder Berufsgruppe ihr Material, das sie ernährt. Vielleicht einigen wir uns als Weltgemeinschaft aus pragmatischen Überlegungen auf Möglichkeit 1 im Schaubild: Gutes Auskommen, aber abnehmender Überfluss hier, dafür keine Klimakatastrophe, Flüchtlingsströme und Weltkriege.

Torftipp: Gute menschliche Gefühle (trotzdem) genießen!