20 Jahre Torfkurier, der Film






Kleiner Trennungsratgeber

Kann man machen. Lohnt nicht immer.

Von Götz Paschen

Foto: Helene Souza_pixelio.de

Im Rahmen einer vernünftigen Lebensplanung kommt eventuell die Frage auf: Trennen oder nicht? Fragen Sie Ihre besten Freunde, Eltern, Omas und Onkels. Kann helfen, muss nicht. Kommentare wie: „Blöde Typen.“ „Scheiß Weiber.“ Können helfen, müssen nicht. Hin und wieder ist es bei hochemotionalen Fragen hilfreich, nüchtern draufzuschauen.

Das Punktemodell
Beim Punktemodell hilft einem die Paarpunktzahl das Drama zu bemessen: Wie fett ist die Bauchlandung, die nach der Trennung auf einen wartet? Es ist ganz einfach. Für jedes gemeinsame Kind, gibt es einen Punkt. Für eine Ehe, gibt es einen. Für ein gemeinsames Haus. Eine gemeinsame Firma. Und für alle fünf Jahre des Zusammenlebens auch. Beispiel 1: Sie sind zehn Jahre zusammen, verheiratet, haben zwei Kinder und wohnen zur Miete – 5 Punkte. Ab 3 bis 4 Punkten ist mit einer folgenschweren fetten Bauchlandung zu rechnen. Es macht ernsthaft Sinn, über die Trennung länger als ein halbes Jahr nachzudenken. Rettungsversuche sind absolut ratsam. Sie werden vermutlich allen künftigen Partnern mit Ihren Ex-Geschichten auf die Nerven gehen. Sicherlich ein Liebesbeweis, wenn die Nachfolger trotzdem bleiben. Es spart Nerven, wenn keine Nachfolger nötig sind. Beispiel 2: Haus, 17 Jahre verheiratet, drei Kinder, verheiratet – 8 Punkte. Diese Trennung wird Sie nachhaltig belasten und kurz- und mittelfristig Ihren Lebenserfolg stark einschränken. Sie werden zirka fünf bis zehn Jahre brauchen, um sich davon völlig zu erholen. Das ist Lebenszeit. Verharren in einer unglücklichen Ehe/Beziehung ist auch Lebenszeit. Beispiel 3: Vier Jahre wilde Liebe/große Dramen, guter Sex, gemeinsame Wohnung, viele Pläne – 0 Punkte. Gehen geht.

Harte Ausstiegsgründe
Häusliche Gewalt, seelischer Missbrauch, sexueller Missbrauch der Kinder oder in der Partnerschaft und Drogen-/Alkoholkonsum ohne realistische Veränderungsperspektive. Das sind die Wichtigen. Wer meint, dass Fremdgehen auch dazu gehört, darf paartherapeutische Fachliteratur lesen. Jellouschek vertritt die These, dass der Dritte nur die fehlenden Anteile des entsprechenden Partners verkörpert. Die können nachreifen. Diese schmerzhafte Phase des ehelichen ‚Dreiecks‘ aushalten. Wer als Betrogene/r oder von harten Ausstiegsgründen Gebeutelte/r vor der Entscheidung steht, sollte sich zuerst einmal für sich selbst entscheiden. Sinnvoll sind Reflektion und Pause. Sonst ist die nächste Partnerschaft ähnlich gelagert.

Weiche Ausstiegsgründe
Mangel an Wertschätzung, Stagnation, große Dissonanzen bei: dem Umgang mit Geld, Einkommen, Freizeitvorstellungen, Medienkonsum, Schmusebedarf oder Sexfrequenz, Intelligenz, Bildung, Bewegungsdrang, Geselligkeit, Hobbys, Kinderwunsch, Erziehungsvorstellungen, Familienbindung, Hygiene, Toleranz, Humor, Kunstverständnis, Urlaubszielen … Verlängern Sie nach eigenem Belieben diese Liste. Je mehr Ihnen einfällt, umso wichtiger ist die Frage: ‚Wieso habe ich das Ganze überhaupt angefangen?‘ Das ist müßig, wenn Sie die Partnerschaft fortführen wollen. Es ist hilfreich, wenn Sie mit Trennungsgedanken spielen.

Indisches Modell
Soweit zu den Trennungstipps. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ein Anbahnungstipp: Eine Freundin mit vitalem emanzipatorischem Einschlag (Leitung Fraueninstitut, Achselhaare …) war in Indien. Kommt wieder und erzählt von einem jungen indischen Intellektuellen. Der Bursche war völlig d‘accord, dass seine Eltern für ihn die passende Frau aussuchen. Und jene Freundin fand seine Begründung irritierenderweise schlüssig und nachvollziehbar. - Wenn möglichst viel passt, muss die Ehe nicht öde verlaufen. Hilfreich ist, im guten Freundeskreis zu fischen. Also Freund von Freund und nicht Ex von der … Neue Partner dürfen gute Referenzen haben. Wenn jemand, von dem Sie etwas halten, etwas von Ihrem Neuen hält, ist das eine Referenz. Das müssen nicht die Eltern sein. Aber selbst die dürfen sie/ihn in Ordnung finden.

Torftipp: 1) Trennen! 2) Nicht trennen!