20 Jahre Torfkurier, der Film






Jetzt!

Zaudern war gestern.


Von Götz Paschen

Warten Sie nicht auf den passenden Augenblick. Wer davon überzeugt ist, das Richtige zu tun, braucht nicht zu zögern. In einem Jahr ist richtig auch nicht richtiger. Ein gesunder Zweifel, dem können Sie sich hingeben. Gesunde Zweifel weichen und lassen Gewissheit entstehen. Sonst sind es keine gesunden Zweifel. Wenn aber erst einmal die Gewissheit da ist, dann sind Sie dran. Handeln. Und nicht aus Angst vor Veränderung nach alten Zweifeln suchen, die längst ausgeräumt sind. Erwachsene Menschen ahnen oft genug, was sie wollen. Meist wissen Sie es sogar sehr genau. Alles, was Sie klar formulieren können, sollten Sie berücksichtigen. Wer an seinen eigenen Gewissheiten vorbeilebt, belügt sich selbst. Und andere gleich mit. Das können Sie sich sparen. Und anderen auch.

Zeit
Grundsätzlich ist das Leben endlich. Jede Minute, die Sie bei klarem Bewusstsein für nötige Veränderung länger verharren, ist verlorene Lebenszeit. Das ist kein Grund, in wilde Hektik zu verfallen. Sie können getrost Zeit verplempern. Das ist wunderbar. Ob Sie sich währenddessen wohl fühlen oder miserabel, ist Ihre Entscheidung. Das liegt in Ihrer Hand. Gelassenheit und Ruhe sind wichtige Tugenden. Aber es gibt Momente, in denen Sie die Richtung wechseln dürfen. Wer sich viel miserabel fühlt und das nicht genießt, ist gut beraten, Veränderungen anzugehen. Eine Erfahrung, die Sie durch Schmerz Neues lehren sollte, ist beim dritten Mal weder gültiger, noch lehrreicher. Es gibt eine Schmerzgewohnheit, die sich dann einstellt. Ganz kritisch! Der sollten Sie sich nicht hingeben. Solange Sie handlungsfähig sind, sollten Sie Schmerzroutine vermeiden. Das belastet Ihre Seele und Ihre Gesundheit. Also gehen Sie die Themen an, bevor Sie Ihnen zum dritten Mal in veränderter Gestalt, aber gleichen Inhalts zwischen die Füße fallen. Wenn Sie in der Scheiße sitzen, wird durch Verharren der Geruch auch nicht besser. Eher gewohnter. Sie dürfen sich selbst mehr wert sein.

Angst
Veränderung bedeutet Ungewissheit. Die Angst ist ein klarer Wegweiser. Wo Angst ist, ist Wahrheit. Und wer der Angst entgegen geht, kommt bei seinen wichtigen Themen und sich selber an. Natürlich ist der gewohnte Frust ein guter Bekannter. Wer tauscht schon gern treue Begleiter aus, auch wenn sie Sie endlos Energie kosten. Wenn in Ihrem Rucksack ein Haufen nutzloser Steine drin ist, können die raus. Gutes Gepäck ist Unterstützung. Von den Steinen können Sie nach 20 Kilometern auch nicht mehr lernen, als nach 5. Die bleiben schwer und werden subjektiv eher schwerer als leichter. Wer sich von alten Überzeugungen trennen will, soll das tun. Die stören am meisten. Der Rest kommt von alleine. Was Ihnen passieren kann, ist, dass Sie neue Fehler machen. Neue Fehler haben den Vorteil, neue Erkenntnisse zu liefern. Je souveräner - nicht schneller - Sie auf alte Fehler reagieren, desto klarer bewegen Sie sich aus einer bekannten Situation heraus. Sehr hilfreich bei Angst ist Mut. Angst hemmt, Mut beschleunigt. Wenn beide sein dürfen, kommen Sie zu einem durchschnittlichen, gesunden Tempo.

Gute schlechte Gelegenheiten
Wann sollten Sie etwas anpacken? Wenn es Sie juckt. Falls die Situation es zulässt, sofort. Dann ist am meisten Schwung drin. Nicht den ganzen Tag hektisch von einer Spontaneität in die nächste fallen. Aber auch nicht stumpf nur den Tag abarbeiten. Das klingt doch trübe. Und es gibt nicht permanent gute Gelegenheiten. Wenn sich etwas von alleine ergibt, haben Sie Glück. Aber auf Glück darf man nicht warten. Glück ist ein Geschenk, also etwas Willkürliches. Anpacken heißt jetzt. Und jetzt ist nicht, wenn der Augenblick günstig ist, sondern jetzt. Die ungünstigste Situation ist optimal, wenn Sie schon lange in den Startlöchern stehen und sich nicht trauen. Machen Sie es schlecht, falsch oder ängstlich. Aber machen Sie es. Sprechen Sie stammelnd, heulend oder unsicher. Aber sagen Sie, was Ihnen auf dem Herzen liegt. Wer formvollendeten Wandel erleben will, muss ins Kino. Wer menschlichen Wandel erleben will, muss bei der Form Abstriche machen. Das heißt nicht Geschrei, Theater, Unhöflichkeiten, Mangel an Sensibilität. Aber Sie werden oft nicht gut aussehen dabei. Darauf kommt es auch nicht an.