20 Jahre Torfkurier, der Film






Humankosmetik

Barmherzigkeit ist gut für den Teint!

Von Götz Paschen

Foto: Guenter Hamich_pixelio.de

Wer nicht vergibt, sieht Scheiße aus. Das ist die Kurzformel jenseits von Christentum und Humanismus. Oder das Beispiel des Brennpunktjugendbetreuers: Alle Kinder schnitzen fünf Wutkartoffeln mit ihren Hassfiguren, packen sie in eine Plastiktüte und müssen die bald stinkenden Dinger drei Wochen mit sich rumtragen. Wie viel stinkende Wut und gärenden Resthass haben Sie auf Ihrer Seele liegen? Wenn Jesus nicht gütig am Kreuz gestorben wäre, wäre er bestimmt nicht der Star in allen katholischen Kirchen. So etwas hängt sich doch keiner hin. Hussein, Putin und Bush werden mit Sicherheit nie Plakatidole sein. Der späte Che Guevara hätte es sicherlich auch nicht auf so viele T-Shirts geschafft. Und unsere Angela auch nicht. So wie die sich bei Toren der Nationalelf freut – das zeugt nicht von Spaßroutine.

Frühe Schönheit
Vollkommen Latte, wie geil Sie mit 16 aussahen oder mit 24. Das Leben zeichnet Ihr Gesicht und Ihren Körper. Und zwar mehr durch die innere Haltung als durch das, was Sie äußerlich draus machen. Sie kennen die zugekleisterten Damen, bei denen der knallrote Lippenstift die allgemeine Verwelkung akzentuiert unterstreicht. Oder die Gockel, bei denen nur noch die Haltung, aber nicht mehr das äußere Erscheinungsbild an den ehemals strammen Hahn erinnert.

Frohsinn
Verkniffene Lippen werden dünn. Begucken Sie sich die Politiker und Industriestars in der Tageszeitung. Wer hat da noch volle geschwungene Lippen mit Spannung, die viel gelacht und geküsst haben? Frohsinn ist keine Frage des Erfahrungsumfeldes, sondern der Annahme der eigenen Lebenswirklichkeit. Investieren Sie in Kabarettkarten und nicht beim Gesichtschirurgen. Ärger erzeugt Stirnfalten. Gram führt zu diesen hässlich tiefen Falten halbrund seitlich vom Mund. Heruntergezogene Mundwinkel sind alles, aber nicht aphrodisierend. Achten Sie im Fernsehen darauf: Menschen, die ohne sichtbare Zähne im Oberkiefer sprechen, haben keine frohe Botschaft.

Gnade
Es ist eine Gnade, Vergebung zu erfahren und annehmen zu können. Das entlastet beide. Wenn die Seele nicht öfter gelüftet wird, ist das da nicht auszuhalten. Und ersticken wird dort immer zuerst der, dem sie gehört. Engherzigkeit ist eine Haltung, die Sie vererben. Vergeben und um Vergebung bitten, kann man lernen. Wie das Kopfkino nach einem Horrorfilm, ist Gnade ein Kopfkino, das sie selber produzieren. Alles eine Frage der Entscheidung und des Trainings. Realität ist machbar und: Die Gedanken sind frei. Wenn Sie die nicht Vollzeit mit SMS, Facebookschrott und anderen Medienereignissen zukleistern.

Mitgefühl
Ist eine große Aufgabe. Wenn ich weiß, wie viele indigene Völker, Tiere und Regenwald unter meiner Entscheidung für Meranti-Fenster (Tropenholz) leiden. Dann kaufe ich Fenster aus europäischem Holz. Tütencappuccino vom Aldi ist kein Fair-Trade-Pulver ... Und mit verkniffenem Mund und dogmatischem Zeigefinger ist auch das nur die halbe Wahrheit. Wenn man schon nicht in Bremen wohnt, kann man dort jedem Penner beim Stadtausflug 50 Cent in den Hut werfen. Das sind doch höchsten drei bis vier Euro. Kleingeld gehört in die Hosentasche, denn das ist für die Straße. Wer die GEZ für den Medienmüll zahlt und über seine Eintrittsgelder die GEMA, kann auch Straßenmusikern Hartgeld spendieren, weil sie unmittelbar das Lebensgefühl heben.

Mittel und Zweck
Ei oder Henne? Leute fangt an damit. Ob ihr jetzt nett werdet, weil ihr Angst vor Falten habt. Oder ob eure Lachfalten einfach netter aussehen, weil die Haltung stimmt. Die Reihenfolge ist egal. Warum nicht Kosmetik als Anlass, wenn dem zarten Ego keine größeren Ideen zur Verfügung stehen. Wir sind doch alle oft genug kleine Würstchen, als dass uns Zusatzargumente nicht auf die Sprünge helfen dürften.

Torftipp: Vergebung, Gnade, Güte, Mitgefühl, Barmherzigkeit, Demut …