20 Jahre Torfkurier, der Film






Gefesselt aufwachen neben Schweinen

Landwirtschaftliche Foltermethoden.

Von Götz Paschen

Foto: Alexandra H._pixelio.de

Wie ich hier her gekommen bin, weiß ich nicht. Der Anlass hierzu, ist mir ein Rätsel. Ich wache auf. Gefesselt. Neben Schweinen. Sie grunzen mir mit ihren borstigen Schnauzen direkt ins Gesicht. Ich liege mitten in der Suhle. Meine Haare nass im Dreck. Die Hände auf den Rücken gefesselt. Es riecht nach Schweinekot und -urin. Ein scharfer Geruch. Hier allerdings unter freiem Himmel und nicht in einem Tier-KZ. Die Freiluftvariante. Ich sollte dankbar sein. Die Sonne strahlt mir ins Gesicht. Mich fröstelt. Leichter Tiefnebel wird von dem frischen Morgen langsam weggebrannt. Grundsätzlich alles schön. Auf einer Liege mit Decke, einer Thermoskanne, 400 Meter weiter hinter dem Zaun fast eine paradiesische Vorstellung. Aber hier …Die Schweine wühlen nach Futter. Mal kommt eins und beschnuppert meine verbeulte Visage. Ich kann sehen und atmen. Mir geht es gut. Ich robbe einen halben Meter zur Seite, um nicht mehr in der Pfütze zu liegen: „Liebe Omi, mir geht es gut. Die Sonne scheint mir auf die Stirn. Die Luft ist frisch und klar. Um mich herum viele zufriedene Wesen, die ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Und ich mitten unter ihnen. Dein T.“ So könnte es auf der Postkarte stehen.

Unter Schweinen
Kaum gedacht. Schon nimmt eine fette Sau das ‚unter ihnen‘ wörtlich und legt sich breit auf mein Bein. Ich kriege das da nicht drunter weg. Trete mit dem freien Bein nach ihr. Das lässt sie unbeeindruckt. Ich höre ein Tor quietschen. Zwei Schweinehirten kommen an mit einer Schubkarre voller Essensreste. Die kippen sie neben mich, vertreiben die Sau auf mir. Dann legen Sie mich auf den Karreninhalt und ziehen wieder ab. Die Schweine kommen angaloppiert, grunzen vor Gier und machen sich über das Frühstück her. Ich liege auf Kohlstrünken, gekochten Paprika mit Tomatensoße und werde von den Schweinen hin- und her gestoßen. Sie wühlen unter mir. Mal habe ich schimmeliges Brot im Mund, dann wieder Eigelb im Haar. Unfreiwillig komme auch ich zu meinem Frühstück. Und erhalte Zuwendung. „Liebe Omi, meine Kumpel hier sind etwas grobe, aber gutmütige Typen. Sie kümmern sich darum, dass ich ausreichend Bewegung und zu essen kriege. Nachher geh ich mir die Haare machen. Da bin ich heute noch nicht zu gekommen. Dein T.“ Ein älteres Ferkel stellt sich breitbeinig neben mich und pisst mit sattem warmem Strahl auf mein Bein. Angenehm warm. Nachdem ich dreimal von wühlenden Schweineschnauzen durch das Frühstück gewälzt worden bin, werden sie ruhiger.

Brunft
Neben mir kloppen sich zwei Jungeber um die Rangfolge. Sie trampeln auf mir rum. Einer stemmt sich dabei in meine Hüfte und jagt dann den anderen in die Flucht. Um kurz darauf vom souveränen Eber vermöbelt zu werden. Der klettert kurz danach auf eine mir nahestehende Sau, um sie wild grunzend zu befruchten. Sie glotzt mich stier an. Schleimfäden laufen ihr aus dem Maul. Schweinkram. „Liebe Omi, nach dem Frühstück wird hier gekloppt und gevögelt, was das Zeug hält. Aber sei unbesorgt. Ich halte mich aus allem raus und denke mir meinen Teil. Dein T.“ Der Eber ist fertig und legt sich hinten am Zaun in die Sonne. Er macht einen zufriedenen Eindruck. Ich liege hier ebenfalls in der Sonne. Außer dem erotischen Erlebnis, das ich so nicht teilen wollte, geht es uns just gleich. Die Sau hat sich neben mir in den Dreck gelegt. In platonischem Einverständnis. Sex ist nicht alles.

Schlaf
Die Schweinehirten kommen vorbei, drehen mich auf den Bauch. Wieder mit dem Gesicht in der Suhle. Sie bedeuten mir in einer Sprache, die ich nicht verstehe, in der Suhle liegen zu bleiben. Sonst gibt es auf die Fresse. Ich liege gehorsam auf dem Bauch, schließe die Augen und träume von damals. „Liebe Omi, weißt du noch, wie doof ich das damals immer fand, wenn ich in die Wanne musste. Komisch, dass man so was als Kind oft gar nicht zu schätzen weiß. Dein T.“