20 Jahre Torfkurier, der Film






Erquickliche Kurznotizen

Die Gedanken sind frei.

Von Götz Paschen

Fotos: Sokaeiko/pixelio.de und E. Kopp/pixelio.de

Angeln gehen
„Du ruderst so stark, Udo. Das ist eine echte Pracht. Schön, dass wir mal wieder etwas Nettes machen, nachdem wir uns jetzt permanent gestritten haben. Und was ist in dem Eimer da? Den hast du sonst doch nicht mit. Lass mal gucken. – Na, nun stell dich nicht so an. Das ist ja ganz hart. Sieht aus wie Beton. Und wofür ist die Öse da oben in dem Beton? Und so ein langes Seil braucht man doch gar nicht, um das Boot fest zu binden. – Du bist so schweigsam. Sag doch mal. Du willst mir doch nichts antun, du mieser Schuft. Und ich bringe dir extra deinen Taschenwärmer mit. Schau ich steck ihn dir in die Tasche und geh jetzt mal schwimmen.“ Platsch und schwimmt mit starken Zügen davon. Udo denkt: ‚ Für einen Taschenwärmer ganz schön schwer. Und viel zu rund.“ In letzter Sekunde wirft er die Eierhandgranate weit ins Schilf. Bumm! Eine Wasserfontäne, glitzernder Schaum – eine Riesenwelle. Das Boot droht zu kentern. Udo denkt: „Ganz schön viele Fische!“

Pommes verkaufen
Montag: Büro. Laden. Betrieb. Um 9 Uhr 30 schon gehörig den Kaffee auf und die Schnauze voll. Alles anzünden und abhauen. Etwas Neues machen. Zum Beispiel eine Frittenbude aufmachen und Pommes verkaufen. So denken nur Sie, sonst keiner. Bei allen anderen läuft es geschmeidig rund. Den schweren Kanister Benzin durch das Büro schleppen und gleichmäßig verteilen. Feuer legen. Auf ins Freie. Jetzt aber fix. Der Feuermelder dröhnt in Ihren Ohren. Draußen angekommen sehen Sie weitere brennende Gebäude, Rauchschwaden … - wie nach einem Angriff. Dienstag: Zwischen den Brandruinen Ihr Pommeswagen. Eine neue Existenz. Ein neuer Anfang. Fix den alten Wohnwagen umgebaut und vor dem ausgebrannten Supermarkt geparkt. Langsam dämmert es. Die ersten Pommes brutzeln goldgelb in dem zischenden Fett. Es wird hell. Sie blicken die Straße herunter. Nur rauchende Läden, abgebrannte Büro- und Fabrikgebäude. Davor dicht an dicht Pommeswagen wie Ihrer. Schön, wenn man nicht allein ist mit seinem Empfinden.

Deichrestaurant
„Malzbier und Jägerschnitzel?“ Toller Kellner. Weiß alles auf Anhieb, ohne dass Sie etwas sagen müssen. So gut kennt der seine Kunden! Hier fühlt man sich zu Hause. Hier ist man Mensch und nicht nur ‚Tisch 17 – zwei Personen‘. Aber warum trägt er immer diese klobige Brille? – ‚Servierbrille Challenge‘: Klarsicht- oder Dioptrienoptik. Integrierter Fotomechanismus mit optischem Auslöser durch Doppelwimpernschlag. Fotos niedrigauflösend werden an Kassensystem per Funk (im Bügel) übermittelt. Gesichtsscan des Kunden wird in Echtzeit mit Kundendatenbank abgeglichen und letzte Bestellung auf Hörgerät übermittelt. Informationsmenü wahlweise: Getränke, Gerichte, Personenzahl, letzter Besuch, letzter Tisch … Schulung für Spontanreaktionen: „Sie saßen doch letztens noch da drüben. – Sie waren ja schon seit Juli nicht mehr bei uns. – Nachher wieder ein Tiramisu? …“ Bis das alle haben, es jeder kennt. Einem das Ganze schon so auf den Nerv geht, dass man sich über schweigende Bedienungen freut. Oder dem Kellner die Brille vom Kopf haut.

Durch dick und dünn
Jeder Mensch erfüllt einen anderen Zweck. Und Sie können nicht mit jedem alles machen. Das geht nicht. Das überfordert die. Jeder hat seine Stärken! Ja, und seine Schwächen. Wer glücklich sein will mit seinen Mitmenschen, muss jeden so nehmen, wie er ist. Und zwar genau für das, wofür man ihn gebrauchen kann. Nehmen wir die zwei großen Bereiche ‚Verantwortung‘ und ‚Vergnügen‘. Fängt zwar beides mit ‚Ver‘ an, verlangt aber völlig  verschiedene Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen. Nicht jeder, der viel Verantwortung hat, taugt etwas für gemeinsames Vergnügen. Nicht jeder, mit dem Sie gut feiern können, ist zuverlässig. Es kommt darauf an, sich die richtigen Fragen zu stellen, die in diesem Fall wie folgt lauten: 1) Wem geben Sie Ihre Kinder mit bei der Flucht durch ein Kriegsgebiet und gehen dabei sicher, dass sie heile ankommen? 2) Mit wem ließe sich ein fulminantes Gelage oder eine Sexorgie feiern, bei der richtig was los ist?

Torftipp: Öfter mal der Fantasie freien Lauf lassen.