20 Jahre Torfkurier, der Film






Einen Tag Kultusminister

… wenn ich König von Deutschland wär‘ …

Von Götz Paschen

Foto: Jerzy Sawluk /pixelio.de

Ich wollte ja nicht mal König sein. Kultusminister würde mir völlig reichen. Ich hätte gern folgende Fächer zusätzlich im Stundenplan aller Schüler aller Schulformen, jeweils bis zum Schulabschluss verankert: ‚Rechtschreibung und Interpunktion‘ zusätzlich zum Deutschunterricht, bis zum Abitur. Nur jede zehnte Bewerbung, die bei uns eingeht, ist im Anschreiben vollkommen fehlerfrei. Also deutsche Sprache, Duden und schlichte Grammatik reinbimsen bis zum Umfallen. Vier Stunden Deutsch die Woche, zwei Stunden Rechtschreibung und Interpunktion. Und das so, dass es auch Spaß macht: Einheiten mit kreativem Schreiben, Dialoge szenisch umsetzen … Und daneben dann den Deutschunterricht mit allen Abstraktionen, Analysen … Wobei ich es einfallslos finde, dass heute die gleiche Lektüre gelesen wird wie 1985. Wie wäre es mit Variationen?

Rechnen
Neben der Mathematik hätte ich gern ergänzend das Schulfach ‚Rechnen‘. Für die Bildung: Vektorrechnung, Integrale und Kurvendiskussion. Und für die Praxis bitte bis zur Verblödung: Kopfrechnen, kleines und großes Einmaleins, Vorteilsrechnen, Dreisatz und Gleichungen mit einer Unbekannten. Vorteilsrechnen war 5 x 58 = 3 x 60 – 6. Dreisatz ist das Thema Mehrwertsteuer. Die liegt übrigens bei 19 % oder 7 %, aber das führt hier zu weit. - ‚Rechnen‘ als Schulfach finden Sie dämlichen Unsinn? Lösen Sie jetzt diese Gleichung mit einer Unbekannten: Nach wie vielen Kilometern Laufleistung hat sich eine umweltfreundliche Nachrüstung Ihres Benziners auf Flüssiggas bezahlt gemacht? Sprit: 1,33 pro Liter, 6 Liter pro 100 km. Flüssiggas/LPG 0,56 pro Liter, 7 Liter pro 100 km. Umrüstung 2.200 Euro. Mein Ansatz wäre: 6 x 1,33 x X km / 100  = 7 x 0,56 x X / 100 + 2.200,00. Ergebnis X = 54.187 km. Plus höhere Wartungs- und Verschleißkosten beim Flüssiggas. Stimmt die Rechnung? Wissen Sie nicht? Dann brauchen wir das Schulfach.

Computer
Und dann bitte für alle verpflichtend das Fach ‚Computer-Anwendung‘. Grundlagen von Windows, Word (Textverarbeitung), Excel (Tabellenkalkulation) und Access (Datenbank). Ich schreibe das in Klammern dazu, weil die meisten schon nicht wissen, was Access ist und kann. Ich habe letzte Woche gelernt, was MySQL ist. Das hat mich gesundheitlich mindestens genauso tangiert wie die zwei Füllungen beim Zahnarzt. Gerne auch die Entsprechungsprogramme gratis (open source) und nicht die vom Marktführer Microsoft. Die Hälfte der ‚digital natives‘ kann in Windows nicht mal mit einem Rechtsklick einen Ordner anlegen. Geschweige denn in Excel die popeligste Summenformel einrichten. Also das Fach Computer bitte auch. Nicht wegen der Verwertbarkeit von Humankapital für die böse Marktwirtschaft. Nein, damit kann jeder auch privat den Hauskredit seiner Bank überprüfen.

10 Finger tippen
Und auch ‚Maschinenschreiben‘ als Fach in den letzten drei Schulklassen. „Ich bin mit meinem 4-Finger-System aber auch ganz flott.“ Die Antwort ist so schlau wie: ‚Mit einem Platten kann ich auch zehn Kilometer weit fahren.‘ Ohne Blindtippen sind Sie – je nach Arbeit – Ihr ganzes Leben lang bis zu 10 % zu langsam am Schreibtisch. Von mir aus auch ‚Werken‘ oder ‚Reales Leben‘ mit Knopf annähen und Kettensägen-Führerschein. Aber nochmal zum Tippen. Da lernt unsere Azubine ‚Bürokauffrau‘ noch Tippen in der Schule – natürlich nicht im ersten Halbjahr. Warum auch so früh? Dann wird der Beruf umgetauft in ‚Kaufmann für Büromanagement‘ und es wird komplett aus dem Lehrplan gestrichen. Bedaure, aber wofür fahren die denn wöchentlich zur Berufsschule. Gib mir einer die Schulkosten (Lehrpersonal, Gebäudeanteil …) und ich mache das hier im Betrieb. Sechs Wochen freiwillig 20 Minuten pro Wochentag. Dann müsste das sitzen. – So, genug gemeckert.

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