20 Jahre Torfkurier, der Film






Ein ovo-lacto-vegetarischer Angriff

Was macht Sigmar Gabriel auf meiner Insel?

Von Götz Paschen

Foto: Nowag

Ein Rückblick: Sommerloch, Urlaubszeit, politikfreie Zone – und dann geistert ständig der dicke Gabriel auf meiner Insel rum. Was macht der Kerl auf Amrum? Kann der nicht nach Sylt fahren? Ich habe ja selten Wut auf politische Persönlichkeiten, aber Gabriel kostet mich richtig Geld. Oder sehen Sie in dieser Zeitschrift noch eine einzige Photovoltaik-Anzeige? Als wären die Energiewende schon fertig und Ökologie nicht mehr en vogue. – Vorab mal eins: Wählen Sie wen Sie wollen. Wenn alle meine Meinung hätten, würde mir das auch nicht gefallen. Trotzdem dürfen Sie auf Ihren Abendspaziergängen zu zweit mal öfter AfD-Plakate runterreißen. – Aber das hat nichts damit zu tun, dass Spitzenpolitiker auf meiner Insel nichts zu suchen haben. „Heute habe ich den Gabriel auf dem Strandaufgang von Nebel gesehen, ohne Security.“ „Der ist ja viel kleiner als ich dachte.“ „Ich kenne den noch aus unserer gemeinsamen Studentenzeit in Göttingen.“ „Der hat heute mit seiner Frau und seiner Tochter bei uns im Restaurant gegessen. Die vier Bodyguards saßen in der anderen Ecke vom Restaurant und haben auch gegessen.“ Ich konnte fast täglich verfolgen, wo Gabriel auf der Insel rumgeisterte.

Vegetarischer Angriff
Ich hätte ihm gern mal erzählt, was ich von seiner Energiepolitik, den Rüstungsexporten und der Unterstützung von CETA und TTIP halte. In meiner Phantasie habe ich auch schon Pläne geschmiedet, ihn beim Essen mit faulen Tomaten und Eiern zu bewerfen. Ja Leute, das ist doch ein Kinderspiel. Mit dem Tresen- und Küchenpersonal eines seiner Lieblingsrestaurants war ich in der ‚Kniepsandhalle‘ Party machen. Die haben alle Handy. Ministermeldung per WhatsApp. Im Restaurant die Komposttonne in die Nähe der Durchreiche geschoben. Zwei volle Eierpappen mit Munition. Und dann matschige Tomaten, Eier, Brokkoli-Strünke, Lauchstangen, zurückgegangene Bratkartoffeln – der hätte sein Fett weg.

Political Correctness

Einwand 1: Aber Eier sind nicht vegetarisch? - Leute, ihr habt in Latein nicht aufgepasst! Bei Ovo-lacto-Vegetariern sind Ei (ovum) und Milch (lac) erlaubt. Einwand 2: Und wenn man dann die vierjährige Tochter trifft. Die kann für die Politik von ihrem Vater nichts. - Ja, was können denn Kinder in ‚Drittländer‘, die wir mit Kriegsmaterial beliefern, dafür, wenn sie als Kollateralschaden Teil der Vernichtung werden. Eine Unterschrift ist oft mehr Gewalt als eine Prügelei. Natürlich hat Gabriels Tochter nichts mit Vatis Unterschrift bei Ausfuhrgenehmigungen zu tun! Wer kann von sich sicher behaupten, dass seine Kinderbutterbrote nicht zumindest teilweise mit Rüstungseinnahmen des väterlichen Betriebes entlohnt wurden? Einwand 3: Nach der ersten Tomate hauen dir die Leibwächter eine rein. - Entweder man legt ihnen vorher einen Zettel auf den Tisch ‚Ej Leute, ist nur ein rein vegetarischer Spaß.‘ Ovo-lacto würde ich da mal weglassen. Oder ich habe nur fünf Wurf frei und muss dann aber fixamente durch die Küche und den Hinterausgang flüchten. Das Personal steht den Leibwächtern zufällig im Weg. Mit dem Fahrrad hinten in die Salzwiesen durchs Schilf, die tschilpenden Austernfischer über mir …

Ruhig bleiben
Nein, ich habe keine Tomaten und Eier geworfen. Nein, ich habe nichts gegen die SPD. Aber die Parteibasis und die Gewerkschaften finden Gabriels ‚Ja‘ zum Freihandelsabkommen auch idiotisch. Weiß der denn gar nicht, welches Klientel ihn gewählt hat. Das wäre so, als würde ich jetzt 48 Ausgaben in Folge über Geländewagen, den FC Bayern und Markentextilien berichten. Dann wäre die medaillenverdächtige Haltedauer unserer Abos auch im Eimer. – Egal, ich war im August nicht auf der Titelseite der Bild-Zeitung. Ich lag am Strand, Gabriel auch. Und wir machen jetzt weiter beide unsere Arbeit. Er hat den Ministerposten und ich die besseren Ideen zu Energiewende, Waffen- und Welthandel.

Torftipp: 1) Meinung bilden und äußern. 2) Vielfalt anerkennen. 3) Latein lernen. 4) Beim Spaziergang den Seitenschneider nicht vergessen.