20 Jahre Torfkurier, der Film






Bewusstsein dominiert Sein

Vergessen Sie alles, was Sie für objektiv halten!

Von Götz Paschen

Foto: Günter Havlena / pixelio.de

1. Wahrheit: Es werden nie Qualität und Leistung bezahlt, sondern immer nur Selbstwert. Sie liefern den schnellsten Service. Die Leistung ist erste Sahne. Die Qualität liegt locker weit über dem Durchschnitt. Aber: In Ihrem Portemonnaie herrscht gähnende Leere. Wenn es so richtig phantastisch läuft, haben Sie den Kanal voller Aufträge und den Dispo im Minus. Wie kann das angehen? Ganz einfach: Der Kunde zahlt nie die Arbeit, sondern immer nur den Selbstwert des Lieferanten. Also das, was Ihnen selbst Ihre Arbeit und Leistung wert sind. Und Sie können sich abends und morgens mantramäßig Erfolg einreden. Oder für den Geldfluss in jeder Ecke des Ladens Feng-Shui-Zimmerbrunnen aufstellen. Das wird Ihnen alles nichts helfen. Das Problem sitzt tiefer. So billig lässt sich die eigene Ausstrahlung nicht umstellen. Wenn auf Ihrer Stirn in unsichtbaren Lettern geschrieben steht: ‚Gib mir wenig.‘ Dann werden Sie es hinkriegen noch den letzten Idioten davon zu überzeugen, dass er Sie schlecht bezahlt.

Tricks und Gegentricks
Vorne mit dem guten Stundensatz gestartet. Und unterwegs die Hälfte der Stunden nicht aufgeschrieben. Nein, Sie haben ja nicht einmal eine Zeiterfassung. Geschweige denn eine Nachkalkulation. Oder die perfekte Bewerbungsmappe abgegeben und bei der Lohnverhandlung eingebrochen. Schon ist mit solider Kontinuität zu wenig auf dem Konto. Es gibt Typen, die kriegen bei der Arbeit wenig geschissen. Egal. Im entscheidenden Moment halten sie die Hand auf und proklamieren ihren Selbstwert. Das wird bezahlt. Lieber mit dem Arsch vor die Hunde gehen, als sich mal von Freunden oder Verwandten Geld zu leihen oder gar schenken zu lassen! Paradox intervenieren: Wenn es besonders miserabel läuft, abends mit dem Partner teuer lecker essen gehen. Einen Wochenendurlaub noch obendrauf. Und erst recht flotte Kleidung. Wenn der Dispo ohnehin im Arsch ist, gehen Sie noch einen weiter. Geld kriegen Sie nicht, wenn Sie schuften wie ein Stier. Geld kriegen Sie nur, wenn sie es sich wert sind.

Beispiele
Eine Frau, voll am Drehen, aber nur Ehrenamt. Ein Handwerker, voll am Machen, aber nur Kleinbeträge. Und die noch vom Kunden diskutiert. Abgerechnet werden Anreise, Abreise und Rüstzeit, egal wie lange vor Ort zu tun ist. Richten Sie einen Mindestauftragswert ein. Lockangebote und –preise? Blödsinn, das ist nicht anfüttern und dann kommen die dicken Aufträge. Das ist Zeit verbrennen. Die dicken Aufträge landen ohnehin nicht bei Ihnen, wenn die kleinen schon nichts wert sind.

Beziehungsgedöns
Und was bei der Arbeit gilt, gilt auch in der Balzzone.
2. Wahrheit: Beantwortet wird nur der Selbstwert, nie Ihre Qualitäten. Die dümmste Kuh und der größte Lackaffe schleppen die attraktiven Kerls und Mädels ab. Sehen nach nichts aus. Reden dummes Zeug. Können nicht tanzen. Bildung und Intelligenz sparsam. Dazu Dialoge zum reinbrechen. Aber immer wen Schickes am Arm. Ja Kinder, haben die anderen denn alle keine Augen im Kopf? Doch, und sie lesen auf dem Stirndisplay besagter Sich-Selbstfeierer: ‚Ich bin tortenobergeil. Ich sehe Rakete aus. Ich hab’s voll drauf. Ich bin Gott ...‘ Oder was auch immer. Wenn Sie sich selbst nicht feiern, wird es auch kein anderer tun. Dann wird aus dem Mauerblümchen ein Mauerstrauch oder Mauerbaum. Wer zum Prahlen zu elegant ist, muss es eben dezent und mit Stil tun. Wer sich dafür auch noch zu fein ist, kann abtreten.

Arroganz
3. Wahrheit: Die große Gefahr geringen Selbstwerts ist Arroganz. Wer sich selbst erhöht oder permanent über andere die Nase rümpft, bleibt einsam oder fällt menschlich immer wieder auf die Fresse. Wer nicht in der Lage ist, die ganze Welt zu umarmen, hat ein ödes Privatleben. Da können Sie dreimal Humanist oder Christ sein. Auf Ihrer Stirn steht: ‚Ich bin besser als ihr.‘ Und leider steht nicht nur das da. Eigentlich steht da: ‚Weil ihr mich nicht wollt, finde ich mich jetzt besser als ihr.‘ Und zusätzlich steht da noch. ‚Meine Eltern hatten mich auch schon nicht wirklich lieb oder keine Zeit für mich …‘ Wer will denn sowas lesen? Das Resonanzprinzip sagt: Liebe kommt nur dahin, wo schon Liebe ist. Also fangen Sie mit sich selbst an, dann kommt der Rest von alleine.

Torftipp: Mal ab und zu zu heulen, hat noch keinem geschadet. Nur zu heulen, schadet schon.