20 Jahre Torfkurier, der Film






Barcelona gegen Real?

Ein Telefonat.


Von Götz Paschen

Barcelona gegen Real? Klingt ja wie Lissabon gegen Aldi. – Real ist kein Supermarkt, sondern ein Sportverein? Und wieso haben die dann in ihrem Fanshop bei uns um die Ecke Wurstkonserven und Klopapier? – Ach, sie fahren ins Stadion. - Mit dem Flugzeug? Nach Italien? Oder liegt Madrid gar nicht in Italien? Und seit wann interessieren sie sich für Stierkampf? Oder welche Sportart war es noch? Sind sie nicht Vegetarier? - Was macht man denn mit so einem toten Stier? Die Eier abschneiden? - Ach den Schwanz. Den zum Wedeln? Oder den zum Befruchten? – Wie es geht gar nicht um Stierkampf? Ach, um Fußball. Ja, da kenn ich mich nicht so gut aus. – In Spanien? Also doch Stierkampf? - Ochsenschwanzsuppe mit Champignons? Seit wann sind denn in Ochsenschwanzsuppe Champignons? – Kein Ochse, ok. – Englisch: Champions? – Was hat das mit der Queen zu tun? Das ist doch England. – Das Lied von Queen. Die hat eine CD aufgenommen? Wusste ich gar nicht. Welche Champions? Ach so, das Lied von der Rockband. Und die singen im Stadion. Ich dachte, da ist der Sänger tot.

Champignons
Champions wie Champions League, verstehe. Es geht doch um Fußball. - Ich dachte, Champions League spielt Schalke. Dafür müssen Sie doch nicht nach Spanien fliegen. Schalke ist doch in Deutschland. Mein Nachbar kommt aus Recklinghausen. Das ist ein Vorort von Schalke. Da würde ich aber mit dem Flugzeug nach Dortmund oder nach Düsseldorf fliegen. Madrid ist für Schalke doch ein absoluter Umweg. – So, sie wollen gar nicht Schalke sehen, sondern Barcelona und Madrid. Ich dachte Barcelona und Real. Und wieso spielen da drei Mannschaften? – Real und Madrid ist eine Mannschaft, ach. Also 22 gegen 11 Spieler. Ist das nicht unfair? – Ich finde das etwas aufwändig, für 90 Minuten Fußball so weit zu fliegen? Haben Sie keinen Fernseher? – Sie finden Spanien so schön? Dann fliegen Sie doch nach Mallorca. – Kein Fußball, ah. Und Strand ist dabei egal. – Liveerlebnis. Verstehe. Das gibt’s aber doch auch auf Schalke.

Paella essen
Da fehlt Ihnen das spanische Flair. Sie bleiben noch ein paar Tage … - Sie wollen lieber Paella essen und Sangria trinken, als Currywurst Pommes und Bier. – Hier um die Ecke ist auch ein Spanier. Da müssen Sie gar nicht weit fahren. – Der hat zu? Warum? Der fliegt auch mit. Und wenn ich da jetzt genau hin wollte, wo der in Spanien Fußball guckt? – Welcher Hornochse? Ich denke Fußball. Ja gehen Sie jetzt ins Stadion oder zum Stierkampf? – Wie? Ein ganzes Stadion voller Hornochsen? Und welche Ostkurve? – Die Ostkurven von meiner Frau? Jetzt werden Sie aber mal nicht frech. Ich darf ja wohl qualifizierte Fragen stellen, wenn Sie mich hier zum einem Gespräch über tierquälende Sportarten nötigen.

Hooligans
Sie quälen gar keine Tiere? Ja, das lassen Sie ja auch andere für sich machen. – Gibt es da Hooligans und Schlägereien nach dem Spiel? – Und terroristische Anschläge der ETA? Wäre doch ein perfektes Ziel mit hohem Medienfokus. – Wieso ich auf so was komme? Ich plane hauptberuflich terroristische Angriffe für ethnische Minderheiten auf international relevante Sportveranstaltungen. – Ob man davon gut leben kann? Ich schon. – Das halten sie für keine seriöse Art, Geld zu verdienen? Wo arbeiten Sie denn? – Bei Atlas Elektronik. – Sitzt da nicht der Dalai Lama im Aufsichtsrat? – Glaub ich nicht, wer? Nelson Mandela? – Und dann kommt der immer zu den Aufsichtsratssitzungen nach Bremen von Südafrika aus? – Das finden Sie nicht weit? Kein Wunder, Sie fahren ja auch zum Fußball gucken nach Spanien, wo im Ruhrgebiet auch guter Fußball gespielt wird. – Wie, hier auch? Wo? – Im Werder-Stadion? Na ja.

Kapstadt
Seit wann arbeiten sie denn bei Atlas Elektronik? – 25 Jahre? Schon so lange? War da der Mandela nicht noch im Gefängnis? – Woher ich das wissen will? – Ob ich mal für den ANC Anschläge auf Fußballspiele in Kapstadt organisiert habe? – Wie kommen Sie denn auf den Blödsinn? – Ich hätte selbst gesagt, ich plane beruflich terroristische Angriffe auf Sportveranstaltungen. Ja, aber doch nur für ethnische Minderheiten. Sie müssen auch mal zuhören. Die Schwarzen sind doch in Südafrika keine ethnische Minderheit. – Ob wir in Madrid, was geplant haben? Warten Sie, ich muss mal eben in meinen Kalender gucken. Nein, da bin ich noch frei. – Wie, sie müssen jetzt auflegen? – Einchecken? Ach, sie fliegen gleich los. – Und grüßen Sie mir Nelson Mandela. – Wieso, sie treffen den nicht? Ich dachte, das ist ein Betriebsausflug.