20 Jahre Torfkurier, der Film






11 Tonnen CO2 im Jahr

Wichtig ist, was hinten rauskommt.

Von Götz Paschen

Foto: Wolfgang Dirscherl/pixelio.de

Wir Deutschen produzieren jährlich 10 bis 12 Tonnen CO2. Auch der Umweltfreund, der regionales Gemüse zur Saison kauft und trotzdem einmal jährlich seine Fernreisen mit dem Flugzeug antritt liegt drüber: Frankfurt - Sydney (Australien) 12.460 kg CO2 pro Person bei Hin- und Rückflug. Wenn - wie beschlossen - die Klimaerwärmung im weltweiten Durchschnitt auf 2 Grad begrenzt werden soll, dürfen wir pro Jahr nur 2 Tonnen CO2-Emission erzeugen: 92 % abspecken! Das heißt, ab dem 7. März hat der Durchschnittsdeutsche seine 2 Tonnen voll. Dann muss er aufhören zu leben und in einen tiefen energieneutralen Restjahresschlaf fallen.

Ausnahmen
Währenddessen laufen die Vegetarier noch fröhlich bis Mitte März durch die Gegend, weil sie sich die 50 Kilo Fleisch und Wurst pro Jahr sparen. Veganer, die auch auf die 130 Kilogramm Milchprodukte verzichten, könnten es eventuell bis zum Aprilscherz schaffen. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht 13,5 Kilo CO2. Die von einem Kilo Gemüse 1/100 davon: nur 0,15 kg, bei Obst sind es 0,45 kg CO2. Jetzt fragen Sie, wer will denn zwischen diesen vereinzelten missmutigen Veganern noch bis Ende März in Deutschland herumlaufen. Da ist ein energieneutraler Restjahresschlaf aber wirklich die bessere Alternative. Da möchte ich genauso unsachlich zurückfragen: Warum sollen Menschen fröhlicher sein, die Nudeln ohne Deckel kochen? Deckel drauf und die Flamme auf 'klein' drehen spart 2/3 CO2-Erzeugung.

Lebenslust
Vorsicht Warmduscher: 3 Minuten Duschen (40 Liter) bei 40 Grad bringen 990 g CO2 auf die Waage. Bei 10 Minuten sind es schon 2.960 Gramm, 1/10 vom deutschen Tagesvolumen. Jetzt wollen die uns auch noch den letzten Spaß am Leben nehmen?! Nein, ich kann Sie beruhigen: 90 Minuten ausführlicher Sex im kuscheligen Bett verursachen 0 g CO2. Das können Sie also unbeirrt täglich morgens und abends betreiben, ohne um Ihre persönliche Klimabilanz fürchten zu müssen. Die Frage beim Duschen ist natürlich auch, wie Sie Ihr Wasser erwärmen. Oben die Zahlen gelten für Elektrospeicher. Beim Durchlauferhitzer (Erdgas) halbiert sich die CO2-Erzeugung schon auf 1.560 g bei 10 Minuten unter der Dusche. Wer sein Duschwasser mit Solarenergie erwärmt, spart 70 % der Energie im Vergleich zum Gas. Oder er spart nichts und duscht dafür täglich eine halbe Stunde heiß, statt 'nur' 10 Minuten, bis ihm die Haut in Fetzen vom Leibe hängt.

Lob der Faulheit
Wer im Garten das Laub liegen lässt, spart der Umwelt die 1.294 g CO2 beim Laubsauger pro Stunde. Wer es mit kräftigem Schwung wegharkt, ist auch CO2-neutral, abgesehen von dem halben Butterbrot, das er morgens dafür mehr essen muss. Je dünner er die Butter dabei streicht, umso besser. Butter ist mit Abstand das CO2-schärfste Lebensmittel. 1 kg Biobutter erzeugt 22,1 Kilo CO2 bei der Herstellung und liegt damit immer noch 7 % unter dem Wert von konventioneller Butter. Tiefgekühlte Pommes liegen bei 5,5 Kilo CO2 pro Kilo. Tiefkühlpizza nur bei 0,9 kg. Bei Bier sind es sogar nur 450 g. Der klassische Biersäufer ist dem Milchtrinker (900 g pro kg) also CO2-mäßig doppelt überlegen. Während wir bei der Gartenarbeit die Faulheit loben, ist es beim Lebensmitteleinkauf umgekehrt. Wer sich Gedanken darüber macht, ob er im Frühjahr Äpfel mit langer Kühlzeit aus Deutschland oder lieber frische aus Neuseeland mit weitem Transportweg kauft, geht die Frage falsch an: Von der Klimabilanz ist der Unterschied gering. Wichtiger ist, wie ich zum Einkaufen fahre. Der alte Kombi verursacht bei 5 Kilometern Strecke hin und her 2,4 kg CO2. Die Einkaufsfahrgemeinschaft mit der Nachbarin wird nur noch von der mit beiden Nachbarinnen übertroffen und diese lediglich vom Einkauf per Pedale.

Torftipp (und Quelle): 'Pendos CO2-Zähler', 150 Seiten, Hosentaschenformat, geballte Infos und Vergleichstabellen, 6,90 Euro + 1,45 Versand. Nicht im Buchhandel, sondern nur über info@co2online.de, 0 30 - 76 76 85-0.