20 Jahre Torfkurier, der Film






… auf den Hund gekommen.

Können Sie auch keine Hunde leiden?

Von Götz Paschen

Foto: Lena Bürki

Oder Katzen? Oder sonstige lästige Vierbeiner? Zusatzkonsumenten. Umweltzerstörer. Zeitfresser. Zivilisationsdegenerierte Begleiter. Rumpuper. MitimBettschläfer … Und dass ich Hunde nicht leiden kann, liegt meistens – ich gebe es ehrlich zu – an den Menschen. Konkret an den Haltern. Die machen aus einem normalen Tier eine Projektionsfläche für ihre fehlgeleitete Liebe. Weil der nicht kompliziert wird. Nichts sagen kann. Und so fantastisch abhängig ist. Und das ist gar keine Tierliebe. Schön wäre es ja. Das ist Narzissmus ausgerichtet auf das erweiterte Ego in Form eines Hundes.

Liebe wohin?
Da laufen Enkel, Kinder, Eltern, Partner … genug rum, die man von Herzen lieben könnte, aber man liebt einen Hund. Es gibt bedürftige sozial Schwache, wer mit den Alten nicht will, nimmt die Kinder, aber man liebt einen Hund. Flüchtlinge kommen ins Land, gerade mal ein Hemd am Arsch, vielleicht knapp überlebt, aber man liebt einen Hund. – Man kann ja einen Hund als Kumpel mögen, aber Liebe ist für Menschen. Jeder mit dem richtigen Maß an seinem Platz. Erst die Menschen und hintendran der Hund, vernünftig behandelt, gepflegt und gehütet, wie alle Kreaturen auf dieser Welt.

Haltergespräche
Ich habe auch seit ein paar Monaten wieder einen Hund im Haus. War übrigens absolut nicht meine Idee! Und dann diese dämlichen Haltergespräche: Wie alt? Ein Rüde? Kastriert? Und ihrer? Läuft gerne – ach nee! Stopp, stopp, stopp!! – Kinder: Wir haben die Zwölftonmusik, die Quantenphysik, die Epigenetik, Beethoven, Blauhelmsoldaten, den arabischen Frühling … und über was reden wir? Hundehäufchen und Reinrassigkeit. Ist doch nur ein blöder Hund. Da wird ja mehr drüber geredet als über die Enkel. Und das geht mir auf den Wecker. Die Tiere existieren an der falschen Position.

Kreaturen
Und zu der Tierliebe mal ein oberschräges Beispiel, das ich mir nicht ausgedacht habe: Da bin ich vor gefühlt Jahrhunderten in Rotenburg in einem ‚Tierschutz-Gottesdienst‘. Es geht um Haustiere, Tierheim und die geschundene Kreatur. Und nach dem Gottesdienst gibt es zum geselligen Beisammensein draußen auf dem Kirchhof noch Bratwurst. Ja, bin ich der einzige, der hier was nicht versteht. Ich kann doch nicht zehn Minuten nach dem Abschlussgebet irgend so ein armes Schwein, Kuh sonst was abschlachten lassen und essen! Kreatur ist gleich Kreatur. Das ist mein Credo. Und da weiche ich keinen Millimeter von ab. Alle oder keiner! Von mir aus noch in der Abstufung von Empfindungs- und Leidensfähigkeit: Säugetier … wechselwarm … Amöbe.

Lästig
‚Unser‘ Jimmy haart alles voll. Sitzt (noch) viel zu oft auf dem Sofa. Kackt auch an der falschen Stelle. Fiept uns die Ohren voll, wenn seine Chefin mal zwei Stunden weg ist. Hockt am liebsten faul in seinem Körbchen. Auf E-Bay-Kleinanzeigen will ihn (Jack Russell, kinderlieb …) auch keiner als Deckrüden für 250 Euro mieten. Dass der faule Hund mal was zu seinem Lebensunterhalt beiträgt. Stattdessen jault der mir beim Picknick die Ohren voll, nur weil eine läufige Hündin in der Nähe ist. Wir haben ihn von der Leine losgemacht. Soll er doch seinen Spaß haben. Die anderen konnten fast mit dem Auto nicht wegfahren. So aufgedreht sprang er um seine Hundedame rum.

Kultur
Ob meine Abneigung jetzt immer noch an dem Dackel liegt, der mich vor 46 Jahren mal auf dem Etagenflur angebellt hat – so auf Augenhöhe – weiß ich nicht. Mich stört grundsätzlich, wenn aus Erziehungsmangel Kreaturen am falschen Platz sind: Kinder und Jugendliche zu fett vorne, Erwachsene zu zurückhaltend hinten, Hunde und Katzen besser ernährt als Millionen von Menschen im Sudan oder ganz einfach sogar als vernachlässigte Kinder hier bei uns. Da gehört Liebe, Zuwendung und regelmäßige Ernährung hin. Und wenn das alles passt: Dann von mir aus auch ein Hund im Haus, aber bitte als letzter, der gekrault wird – nach allen Zweibeinern.

Torftipp: 1) Menschen lieben. 2) Realistisch bleiben und unsere Esskultur mit China vergleichen.